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Reisebericht Yukon / Alaska 2009

Prolog

Ich weiß nicht, wie lange es jetzt her ist, dass ich davon träum(t)e, mal ganz in den Norden Amerikas zu reisen. Der Grundstein wurde vor vielen Jahren durch mehrere Diashows von Rolf Hicker gelegt, der mich mit seinen fantastischen Bildern von Kanada und Alaska  begeisterte. Damals schwang neben der Begeisterung auch die Wehmut mit, die mir da mitteilte „da kommst Du ja eh nicht hin“ und so schickte ich diesen Traum erst mal aufs Abstellgleis. Jetzt,  viele Jahre später, wird dieser Traum nun Wirklichkeit und erst bei den letzten Reisevorbereitungen kommt mir das in den Sinn und der Satz, man muss nur fest an etwas glauben, dann gehen auch langgehegte Wünsche in Erfüllung ….

Mittwoch, 26.08.09

Nun ist es also soweit; bereits letztes Jahr im September haben wir das Auto für den jetzt anstehenden Urlaub gebucht und um 16.00 h brechen wir per Zug auf nach Frankfurt. Unser Häuptling bringt uns zum Bahnhof, wo wir 10 Minuten später auch schon einen Platz im ICE gefunden und das Gepäck verstaut haben. 3 Stunden später sind wir am Flughafen Frankfurt und Elke bleibt beim Aussteigen mit der ersten schweren Reisetasche an der Türe hängen, kommt ins Wanken und gerät mit einem Fuß zwischen Zug und Bahnsteinkante. Sie kommt mit einem Schrecken davon, es gibt jedoch ein paar satte blaue Flecken und Abschürfungen. Nach einer Odysee zum Condor-Schalter – der liegt am äußersten Ende der Schalterhalle – können wir endlich unser Gepäck aufgeben und bekommen noch Plätze am Notausgang. Es ist bereits nach 20.00 h, als wir noch was zum Abendessen suchen. Die Wahl für den Chinesen in Bahnhofsnähe war keine sonderlich gute Idee; das Essen ist mäßig und das Lokal ähnelt einer Sauna. Wir sind froh, als wir endlich raus an die frische Luft kommen. Drei Stationen mit der Straßenbahn liegen noch vor uns; bei der Galluswache haben wir eine Nacht im Mark Hotel gebucht. Wir müssen etwas suchen, bis wir das Hotel finden. Hier hätte es in unmittelbarer Nähe noch etliche, sicher bessere Restaurants zur Auswahl gegeben; Pech wenn man sich nicht auskennt. Wir beziehen unser Zimmer mit Blick auf die Adler-Werke und versuchen bei offenem Fenster und tropisch anmutenden Temperaturen zu schlafen, was uns mehr schlecht als recht gelingt.

Donnerstag, 27.08.09

Elke ist bereits um 6.30 h wach und nimmt noch eine Dusche; eine Stunde später sind wir marschbereit und checken ziemlich gerädert aus. Mit der S-Bahn geht es zurück zum Hauptbahnhof, wo wir in der DB Lounge noch was frühstücken. Nebenbei werden die letzten E-Mails gelesen und dann ab zum Flughafen.

Eis-LandschaftWir liegen gut in der Zeit und können im duty free shop noch etwas trödeln. Andy will dieses Mal einen Whisky mitnehmen und die Wahl fällt recht schnell auf eine Flasche Famous Grouse. Wir gehen zum Gate und dürfen noch eine Stunde warten. Weshalb hier Kanada, Alaska, USA zusammen mit Kroatien abgefertigt wird, erschließt sich uns nicht wirklich. Nach einer gefühlten Ewigkeit treffen dann auch die Busse ein, die uns direkt zur Maschine bringen, die mitten im Irgendwo steht. Man kommt sich vor wie in den 60er Jahren; die Gangway steht da, fehlt nur noch die Stewardess im Kostüm mit Hütchen an beiden Eingängen. Wir finden unsere Plätze, haben jede Menge Beinfreiheit und nun könnten wir eigentlich starten …. nur können, dürfen wir nicht. Wir warten, warten und warten und dann kommt auch mal zwischendurch eine Ansage, dass es mit dem Gepäck Probleme gibt. Es fehlen noch Koffer wegen eines Ausfalls des Gepäckleitsystems. Der Kapitän verspricht, uns auf dem Laufenden zu halten und wir erfahren während der nächsten 1,5 Stunden, dass jetzt trotz fehlendem Gepäck abgeflogen wird, da die bisherige Arbeitszeit mit den noch vor uns liegenden 8,5 Stunden Flugzeit nicht weiter ausgedehnt werden darf. Wir reihen uns also auf der Startbahn ein und dürfen dann auch ziemlich schnell aufsteigen. Es folgt das übliche Procedere; Essen in mittlerweile Diätportion, ein paar Getränke und zwei nicht wirklich interessante Filme; die Flugzeit zieht sich wie Kaugummi. Erst als wir über Grönland sind, sehen wir unter uns Eisberge und viel Schnee, dann naht auch schon Kanada und die Wolkendecke wird wieder dichter.

Fraserway WhitehorseUm 12.50 h setzen wir dann endlich in Whitehorse auf. Die Immigration geht schnell und problemlos, Passkontrolle, einmal tief in die Augen sehen, kein Foto oder Fingerscan und man wünscht uns einen unvergesslichen Urlaub. Das Gepäckband läuft bereits auf Hochtouren und wir sind froh, dass unser Gepäck vollständig ist – das hätten wir nun auch geschafft. Betsy von Fraserway erwartet uns bereits und im Nu sitzen wir im Auto und werden zum Office gebracht. Dort erfolgt die Einweisung in unseren Pick up-Camper, eine Informationsflut, die es erstmal zu verarbeiten gilt und die noch einige Zeit in Anspruch nimmt.

Gegen 14.30 h rollen wir vom Hof und gehen einkaufen. Walmart ist die erste Adresse und was wir dort nicht bekommen, hat der Superstore. Andy macht sich auf, einen Einkaufswagen zu bekommen und hat keine kanadische Münze. Mit viel Charme und einem US-Dollar bekommt er die gewünschte Münze und wir können unsere Liste abhaken. Als wir zum Fahrzeug zurückkommen fällt uns auf, dass der Kühler tropft – shit….. Wir müssen nochmal zurück zu Fraserway. Der Kühler scheint kaputt und muss morgen ausgetauscht werden. Wir bekommen sicherheitshalber einen Kanister Kühlflüssigkeit und sollen morgen um 8.15 h da sein; man verspricht uns, dass wir um 14.00 h das Auto wieder haben können. Wir steuern den Caribou Campground außerhalb von Whitehorse an, bekommen ohne weiteres einen Platz mit W-Lan und parken unser Gefährt. Es gibt noch frische Nudeln mit Tomatensauce und Salat und dann ist auch schon bald Feierabend. Nach 22 h auf den Beinen wird’s jetzt auch Zeit.

Gefahren: 28 km
Übernachtung: Caribou Campground, ca. 24 km südlich von Whitehorse Richtung Watson-Lake, ohne Canusa Gutschein 23.40 $, mit Gutschein 18 $ - full hook-up, d.h. Wasser, Strom, WiFi und Duschen/WC, Laundry und es gibt 10 % Ermäßigung für das dem Campground zugehörigen Wolf's Den-Restaurant

Freitag, 28.08.09

WhitehorseAndy ist bereits um 5.00 h wach, gegen 6.30 h steht auch Elke auf und wir machen Frühstück. Wir räumen noch etwas um und müssen dann los. Pünktlich fahren wir auf den Hof. Wir geben das Auto ab und Betsy fährt uns zur Mainstreet. Wir haben nun bis 14.00 h Zeit, uns Whitehorse anzusehen. Bei Starbucks genehmigen wir uns erst mal einen Kaffee, anschließend geht es ins Visitor Center. Yukon RiverMit einigen Broschüren ausgestattet und einem schönen Film über das Yukon Territory geht es dann am Riverwalk entlang bis zum Staudamm und zur Fishladder, die bereits 1950 für die Wanderung der Lachse und übrige Fische angelegt wurde und heute noch in Betrieb ist. Die 4 km Gesamtstrecke ist schön zu laufen und bei Sonnenschein und abwechselndem Nieselregen bekommen wir schon mal einen ersten Eindruck.

Mounty und Andy (v.l.)Zurück in Whitehorse teilen wir uns einen Burrito und sehen uns die Mainstreet noch etwas genauer an. Viele Läden gibt es nicht und wir landen bei Docs Diner noch zum Lunch. Log Skyscraper WhitehorseJetzt bleibt gerade noch Zeit, sich den Log-Skyscraper – ein dreistöckiges Holz(hoch)haus und die Log-Church anzusehen. Die Kirche sehen wir nur von außen, da diese ein Museum ist, für das wir keine Zeit mehr haben. Wieder zurück im Visitorcenter warten wir bei einem Film über den Dempster Highway bis 14.00 h und Betsy holt uns ab.

Bei Fraserway erfahren wir, dass der Mechaniker immer noch zu Gange ist und es wohl noch eingie Zeit dauern wird, was nun? Betsy wird unsere Chauffeuse und wir besorgen die letzten Dinge, die wir gestern beim Einkauf vergessen haben. Im Liquor Store gibt es noch Bier und beim Superstore das ein oder andere Ding. Zurück bei Fraserway dauert es dann bis 17.00 h; die Angestellten sind mittlerweile alle in den Feierabend verschwunden und wir bekommen dann endlich unser Auto. Man sagt uns zu, dass dieser Tag nicht berechnet und die erste Übernachtung auf dem Caribou-Campground von Fraserway übernommen wird.

Jetzt aber vom Hof und los; wir fahren noch bis zum Foxlake und bleiben eine Nacht auf dem Forest-Campground. Ein Platz ist gleich gefunden, Andy zündet schon mal die Grillkohlen und dann werden wir ganz unverhofft und Kate und Ken von nebenan auf einen Coffee eingeladen. Fox LakeWir brutzeln unser Fleisch und nehmen das Angebot dankend an. Es wird eine unterhaltsame Abendrunde, bei stark rauchigem Kaffee und einem Absacker – einen von Ken's selbst angesetzten Raspberry Liquor. Wir sitzen gemütlich am Feuer und Ken erzählt; er war bei der Army und hat Einiges zu berichten – patriotisch, aber auch sehr sozial eingestellt – nach dem Motto, leben und leben lassen. Gegen 10.00 h verabschieden wir uns, Elke tippt noch Bericht und dann ist auch bald Schluss für heute.

Gelaufen: ca. 5 km
Gefahren: 102 km
Übernachtung: Campground Fox Lake, 12 $ - Firewood inkl., Plumpsklo, direkt am See

Samstag, 29.08.09

Um 6.30 h sind wir wach, machen Frühstück und nach den weiteren Notwendigkeiten eines so früh beginnenden Tages sind wir eine Stunde später on the road. Auf dem Klondike HighwayAuf der 2 geht es gen Norden und wir sehen Wald, Wald und nochmals Wald. Tiere lassen sich keine blicken. Diese Einsamkeit muss man erst mal „verdauen“; käme uns nicht ab und an ein Auto entgegen würden wir glauben, wir sind hier ganz allein. Das Wetter sieht recht passabel aus; es ist bewölkt, aber die Sonne kommt immer wieder durch und beleuchtet die Szenerie.

An der Braeburn Lodge halten wir und kaufen uns eine riesen Cinnamon Roll, eine weit bekannte Spezialität, die wir von verschiedenen Leuten empfohlen bekommen haben. Five Finger RapidsWir passieren Carmacks, das nur aus einer Tankstelle mit Shop und ein paar Häusern zu bestehen scheint; hier ist nichts los, auch an einem Samstag nicht. Danach kommen die Five Finger Rapids, eine gefährliche Engstelle für die Flussdampfer auf dem Weg nach Dawson City. Pelly Crossing hat auch nicht mehr zu bieten als Carmacks, weshalb wir auch nicht anhalten und es weiter nach Stewart Crossing geht.

An der einzigen Tankstelle füllen wir den Tank auf und zweigen ab auf die 11 nach Mayo. Mittlerweile ist es nach 13.00 h und wir halten an einer Bucht direkt an der Straße für ein paar Sandwiches. Wie gut, dass wir in unserem Schneckenhaus hintendrauf alles haben; trocken, warm und gemütlich zum sitzen. Am Devils Ellbow machen wir Halt und laufen zum Viewpoint. Hier könnte wenn man denn könnte, Elche sehen, die hier leben. Am Samstagnachmittag haben die Tiere aber wohl auch frei und so gehen wir leer aus.

Weiter geht’s und die Strecke zieht sich; wir lassen Mayo rechts liegen und fahren weiter nach Keno auf dem Silver Trail. Die Straße wird zur Gravelroad und die ist, nachdem es jetzt zu nieseln begonnen hat, nass und schmierig. Da wenig Verkehr, fahren wir in der Mitte; das Bankett ist gefährlich weich und die Straße zu beiden Seiten richtig abschüssig. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir Keno erreicht; eine Ghosttown, in der noch 25 Seelen leben; der Ort wirkt trotzdem ziemlich trostlos. Keno Hill SignpostDie Hauptattraktion ist ein Museum zur Goldgewinnung. Wir sehen uns kurz um und fahren dann hoch zum Signpost; die Strecke geht satt den Berg hinauf und ist ziemlich rauh, aber da muss unser Gefährt durch. Wir befinden uns schließlich über der Baumgrenze und die Alpine Tundra ist schön bunt; leider zieht es immer mehr zu und es beginnt erneut zu nieseln. Die Temperatur ist mittlerweile auf lausige 6 °C gesunken, dazu weht ein eisiger Wind. Am Signpost machen wir noch ein paar Bilder, halten uns aber nicht länger als notwenig und es geht wieder den Berg runter und bis nach Mayo.

Als wir kurz vor Mayo nochmal einen Creek queren, entdecken wir zu unserer großen Freude in der Entfernung einen Weißkopfseeadler. Andy packt das Tele aus und fotografiert; Elke beobachtet den großen majestätischen Vogel mit dem Fernglas und entdeckt, dass der Adler sich mit einem Raben zankt, wir sind ganz aus dem Häuschen. In Mayo einmal kurz durch die City gefahren; viel gibt es auch hier nicht zu sehen und da wir noch jede Menge Tageslicht und Zeit haben fahren wir wieder zurück nach Stewart Crossing. Da kein Campground weit und breit in Sicht, bleiben wir heute Nacht wild am Stewart River stehen, nicht weit von der Straße entfernt. Elke ist heute etwas angeschlagen. Andy bekommt noch ein schnelles Abendessen und dann verschwindet Elke in der Koje. Andy geht noch ein wenig raus, lädt die Bilder des Tages und dann ist auch für ihn Feierabend.

Gelaufen:
Gefahren: 564 km
Übernachtung: „wild“ am Stewart River

Sonntag, 30.08.09

Erst gegen 7.00 h beginnt heute unser „Treiben“; Elke hat sich erholt, Andy fühlt sich dagegen wie erschlagen. Die zwei Gläser Wein von gestern Abend scheinen daran schuld zu sein. Heute ist Elke der Pilot und um 8.00 h nehmen wir Kurs auf Richtung Dawson. Das Wetter zeigt sich auch heute nicht von der besten Seite; tief hängende Wolken wechseln mit ab und an sonnigen Lichtblicken.

Auf dem Klondike HighwayWir fotografieren hie und da, halten an diversen Viewpoints und dann entdeckt Andy einen Schwarzbären neben der Straße. Da mit unserem 5,5 Tonner der Bremsweg mehr als lang ist , kommen wir nicht sofort zum stehen. Bis wir zurückfahren, ist das Tier schon im Unterholz verschwunden; Andy wagt sich dennoch vor und entdeckt dabei noch einen neugierigen Kojoten, von dem er noch ein Bild schießen kann.

Kurz vor Dawson zweigen wir auf eine Gravelroad ab; zeigt doch ein Schild an, dass es hier Fotomotive geben soll, die sich lohnen würden. Die Strecke ist als 20 km Loop ausgewiesen und verläuft entlang der Goldclaims, die allerdings nicht sonderlich spekatkulär sind und der Straßenzustand ist auch nicht so toll. Gold Dredge No. 4Wir kehren nach ein paar km wieder um und nehmen den nächsten Abzweig, der uns zur Dredge No. 4 bringt; die größte restaurierte Abraum-Maschine, die hier bis in die 60er Jahre zur Goldgewinnung im Einsatz war. Wir kommen gerade rechtzeitig zur Führung um 12.00 h an. Die Erläuterungen von Sue sind interessant und mit „Herzblut“. Unglaublich, wieviele Tonnen Steine und Erdreich dieser monströse Schwimmbagger bewegt und wieviel Gewinn er eingebracht hat. Diese Abraummaschinen sind auch die Erklärung für die Geröllbandwürmer, engl. Tailings, im Tal vor Dawson City; es sind die Hinterlassenschaften aus der Goldgewinnung. Die Führung dauert gut eine Stunde, wir sehen uns noch den 10 Minuten-Video an und dann gibt es erst mal eine Mittagspause.

Dawson CityMittlerweile regnet es und ist mit 8 °C ziemlich frisch. Wir fahren nach Dawson City und sehen uns ausgiebig um; viele alte Häuser versprühen den Charme der damaligen Zeit und das schöne daran, es ist nicht alles nur auf Kommerz ausgerichtet. In den alten Bauten finden sich Lebensmittelgeschäfte, Banken, Postoffice, sogar ein Radiosender, Theater und einige Souvenirläden. Permafrost Schäden, Dawson CityDazwischen die ganz alten Bauten, die noch vor der Jahrhundertwende errichtet wurden und alle mit Tafeln und Erläuterungen versehen sind, welchem Zweck sie seinerzeit dienten. Im Dempster-Highway Information Center holen wir noch ein paar Infos, da wir uns nun doch entschlossen haben, ein Stück auf dem Dempster Highway zu fahren und dafür nicht den Dalton in Alaska.

Brücke über den Klondike und Beginn des Dempster HighwayAndy ersteht noch ein T-Shirt und dann gehen wir auf dem Campground gegen 4 $ Unkostenbeitrag dumpen (Abwasser entleeren) und den Frischwassertank auffüllen. Wir tanken noch voll und dann geht es wieder raus aus der Stadt und schon mal ein Stück auf dem Dempster Highway, bis wir ein geeignetes Plätzchen für die Nacht, direkt an der Straße und neben einem Creek finden. Es gibt noch Abendessen (Calzone aus dem Ofen) und als es gegen 22.00 h so langsam aber sicher dunkel wird, dann auch in die Koje.

Gelaufen:
Gefahren: 302 km
Übernachtung: „wild“ am Dempster Highway

Montag, 30.08.09

Wir haben beide unruhig geschlafen, in den Morgenstunden wurde es richtig kalt und es regnet. Erst gegen 8.30 h sind wir unterwegs; die Berggipfel, soweit sie nicht im dicken Nebel hängen und zu sehen sind, haben weiße Hauben. Eine halbe Stunde brauchen wir bis zum Tombstone Interpretive Center; ein Neues wurde gerade erst errichtet, ist aber noch nicht bezogen und das Häuschen am Eingang zum Campground liegt entgegen der angegebenen Öffnungszeit noch in tiefem Schlaf. Wir bekommen somit keine Tipps und nach kurzer Überlegung fahren wir weiter. Auf dem Dempster HighwayAb und an werden die Wolken etwas lichter, ab und an kommt sogar mal ein Sonnenstrahl durch, der Regen begleitet uns in mehreren Etappen aber den gesamten Tag. Von den Tombstone Mountains sehen wir leider nichts, aber als es den North Fork Pass Summit hinauf geht, wird die Sicht besser und wir werden mit den vielfältigen Herbstfarben der Tundra entschädigt. Die Landschaft ist atemberaubend schön und bis zum Seven-Mile-Hill (km 245) wechselt diese stetig.

Thombstone MountainsDie Fahrt wird ab und an durch Fotostopps unterbrochen und das stete Absuchen der vorbeiziehenden Landschaft nach Wildtieren macht mit der Zeit müde. Außer ein paar über die Straße rasenden Hörnchen, einem Schneehuhn das zur Zeit noch das Sommergefieder trägt und einem Fuchs ist uns nichts über den Weg gelaufen. Gegen 12.30 h erreichen wir den Campground am Engineer Creek und machen Mittag. Während sich Elke für eine halbe Stunde Augenpflege gönnt, versucht Andy sein Glück mit der Angel. Wir machen anschließend Mittagspause (ohne frischen Fisch) und sind um 14.00 h startklar.

Auf dem Dempster HighwayEs liegen immer noch über 180 km vor uns die sich endlos ziehen. Die Straße ist nun eine Schlammpiste und erfordert die volle Aufmerksamkeit; das Bankett ist ab und an gefährlich weich. Gegen 17.00 h erreichen wir Eagle Plains bei km 369. Eagle Plains besteht aus einer Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt sowie Hotel mit Restaurant und einem Campground mitten im Nirgendwo und mitten im Schlamm. Der ganze Platz befindet sich dermassen im feuchten Dreck, das man gar nicht aussteigen möchte. Leider erfahre ic herst nach dem verlassen des Fahrzeugs, dass die Tanke mit Bedienung ist. Wir gönnen unserem Gefährt ein paar Liter Diesel, natürlich wird voll getankt und nehmen die letzte Etappe bis zum Arctic Circle.

Beim 66 Breitengrad und 33 Minuten lassen wir für heute das Auto stehen und verbringen hier die Nacht. Wir brutzeln uns noch ein vorzügliches Steak und lassen den Abend gemütlich bei einem Scotch ausklingen.

Gegen 20.30 h trifft  ein Mofafahrer ein, den wir heute mal überholt haben. Ein junger Bursche, der bei diesem Shit-Wetter nicht zu beneiden ist. Er sieht völlig durchnässt und fertig aus; wie er es mit seinem Fahrzeug bis hierher geschafft hat, ist uns ein Rätsel. Arctic Circle Rest AreaAm Gepäck hinten drauf hat er lediglich einen Ersatzkanister und auf der gesamten Strecke vom Beginn des Dempster bis hierher gibt es nur die Tankstelle in Eagle Plains. Kurz vor Einbrechen der Dunkelheit verlässt er den Parkplatz und fährt weiter nach Nordosten. Auf dem Tank konnte man DENIOL.COM lesen, hinterher habe ich mir die Website mal angesehen, ein Franzose erkundet mit dem Mofa die Welt, aber lest selber wenn Ihr wollt. Wir lassen uns nicht viel später von den Windböen in den Schlaf schaukeln.

Für die Fahrt auf dem Dempster Highway gibt es im Visitor Center in Dawson City den Dempster Highway Travelogue. Hier wird Wissenswertes nach Kilometerfortschritt ausführlich erläutert.

Gelaufen:
Gefahren: 361 km
Übernachtung: „wild“ am Dempster Highway

Dienstag, 1.09.09

Die Nacht war stürmisch, unsere Schlafstätte hat ganz schön geschaukelt. Um 6.30 h stehen wir auf und haben die Richardson Mountains fast wolkenfrei vor uns. Andy entdeckt beim fotografieren ein umgefallenes Schild, hier ist das übernachten verboten, aber es gab keine Probleme. Wir waren die einzigen, der Mofafahrer ist aber sicherlich auch nicht mehr sehr weit gefahren.

Eine Stunde später sind wir startklar und machen uns auf den Rückweg. Die Strecke ist besser zu fahren als gestern und Andy ist heute etwas schneller unterwegs. Trotz etlicher Fotostopps sind wir um 12.00 h im nördlichen Teil des Tombstone Territorial Park und machen an der Northfork vom Klondike Mittag. Auf dem Dempster HighwayDas Wetter ist heute wesentlich besser; die Sonne wechselt sich mit Wolken ab, aber deswegen lassen sich die Tiere, die hier leben, auch nicht sehen. Die Karibus sind zur Zeit noch an der Beaufort See weil es dort das Futter gibt, das die Tiere für den bevorstehenden Winter benötigen. Die Heerden kommen erst Anfang September zurück in den Süden; also brauchen wir uns auf die Sichtung dieser Tiere schon mal gar keine Hoffnung machen.

Bald EagleAls wir weiter fahren, entdecken wir von der Straße aus wieder einen Baldeagle, der recht fotogen auf einer Tanne posiert. Heute haben wir sogar Glück, und können die Tombstone Mountains sehen. Das Wetter sieht passabel aus und so entscheiden wir uns für den Hike zum Lookout entlang des Grizzly Creek. Es ist 15.00 h als wir starten; die 6 km Roundtrip sind mit 2 – 3 Stunden angegeben. Es geht erst mal durch dichten Wald und man muss die Augen auf dem Weg haben, da dieser zu 90 % von nassen Baumwurzeln durchzogen ist, stellenweise ist es  matschig. Nach ca. 1,5 km geht es den Berg hinauf und bis zum Lookout sind es ca. 500 Höhenmeter, die es in sich haben. Thombstone MountainsWir kommen ins Schwitzen und dann fängt es zu regnen an. Ponchos ausgepackt und weiter geht es. Als wir den Lookout erreichen werden wir mit einer fantastischen Aussicht auf die schroffen Felsgipfel belohnt. Wir fragen noch ein entgegenkommendes Pärchen, ob der weitere Weg nach oben noch bessere Ausblicke bietet und sie empfehlen uns noch weitere 20 Minuten aufzusteigen. Jetzt geht es über ziemlich übles Geröll nach oben. Der Blick von hier oben ist wirklich um einiges besser, es beginnt aber nochmal richtig zu regnen und es weht ein eiskalter Wind. Wir warten den Schauer ab und machen noch ein paar Fotos, dann geht es wieder zurück. Die Wurzeln sind rutschig wie Schmierseife und Elke legt sich ein paar Mal hin; gottlob ohne nennenswerte Blessuren. Gegen 18.30 h sind wir wieder am Auto, parken dieses nochmal um und richten uns hier für die Nacht ein. Es gibt noch Abendessen und Andy testet zum ersten Mal die Dusche. Ist zwar recht eng, aber es geht.

Gelaufen: 6 km mit 450 Höhenmeter
Gefahren: 349 km
Übernachtung: „wild“ am Dempster Highway, Trailhead Grizzly Creek

Mittwoch, 2.09.09

SunriseIn den frühen Morgenstunden wird es empfindlich kalt; durch die Dachluke über unserem Schlafplatz kriecht die Kälte und um 7.00 h sind wir wach. Die Temperaturanzeige im Auto zeigt 3 °C. Wasser für Kaffee und Tee aufsetzen und im Nu ist unser Schneckenhaus schon etwas temperiert; schaltet man die Heizung für ein paar Minuten an, dann ist es auch schon angenehm warm. Mit allem drum und dran sind wir um 8.00 h startklar und fahren bis Dawson City.

An der Tankstelle am Ortseingang wird erstmal das Auto vom Dreck der letzten Tage befreit; wir benötigen drei „Einwürfe“ in den Automaten für den Dampfstrahler und das beschert uns 15 Minuten Hochdruckreinigen. Während Andy sich mit dem Reinigen beschäftigt ist, geht Elke nebenan im Washroom (Restrooms gibt es in Canada wohl nicht) Haarewaschen und Fönen. Als Elke zurückkehrt, ist Andy gerade mit Dumpen und dem Auffüllen des Frischwassertanks fertig.

Wir fahren bis zur Fährstation, die über den Yukon führt – und die ist vom Government gesponsert und kostenlos. Die Fähre ist auch schon bald da und mit uns fährt der Wandersmann, der gestern Abend am Grizzly Creek Trailhead das Auto nebenan stehen hatte. Andy unterhält sich mit ihm; er ist allein unterwegs und schläft im Auto. Obwohl er mit seinem Allrad überall hinkommt, beneidet er uns um unseren Camper – nach ein paar Nächten im Auto ist alles feucht, unangenehm und trocknet nicht mehr aus.

Top of the World HighwayDie Überfahrt geht ganz schnell und nun geht es zum Top of the World Highway. Eine Gravelroad die auf der Bergkette verläuft, die uns jetzt noch von Alaska trennt. Die Aussicht geht in unendliche Weite; die Fernsicht ist heute prima. Nach 104 km erreichen wir die Grenze in die USA und müssen das Visum ausfüllen. Wir bekommen einen schönen Stempel in den Pass und berappen pro Nase 6 US $ Gebühr; dann noch das Spielchen mit dem Foto und Fingerscan. Ansonsten alles ganz easy, man fragt uns nur nach Waffen oder ob wir Waren dabei haben, die wir in den Staaten veräußern wollen. Lebensmittel, wie Fleisch, Gemüse und Obst dürfen (eigentlich) nicht eingeführt werden, aber das will man gar nicht wissen.

Alaska Welcome SignWir haben eine Stunde gut; d. h. Wir dürfen die Uhr um eine Stunde zurückdrehen. Es geht auf Gravel weiter bis nach Chicken. Kleine Story am Rande: Chicken sollte ursprünglich Ptarmigan (Schneehuhn) heißen. Da aber keiner der Einwohner wusste, wie man Ptarmigan schreibt, bekam die Community den einfacheren Namen Chicken (fehlt zwar das „Schnee“, Huhn bleibt aber Huhn). Zwischendurch sucht Andy an der Strecke zwei Geocaches, die nicht weiter schwer zu finden sind. Derweil pflückt Elke Blueberries, die es hier doch noch zahlreich gibt. Hier scheint erst vor kurzem ein Hunter erfolgreich gewesen zu sein; wir entdecken ein zusammengefaltetes Deer-Fell.

Auf der weiteren Wegstrecke entdeckt Elke im Graben neben der Straße ein Tier; wir halten an und als wir es vor die Linse bekommen, haben wir ein Porcupine – einen Baumstachler oder auch Stachelschwein gesichtet. Es hat wohl keine Lust auf eine Aufnahme und verschwindet auch schnell im Gebüsch. Die Temperaturen steigen heute sogar bis auf 18 °C; ganz ungewohnt für uns, dass es auch mal ohne Fleecepulli auszuhalten ist. Nächste Anlaufstelle ist Chicken; mitten im Nirgendwo eine Community; eine Tankstelle, zwei Campgrounds und der City District – Ein Mercantile Shop, ein Liquor Store und ein Restaurant; dahinter zwei Blockhütten und das war's dann auch schon. Bei der Tankstelle halten wir kurz und bekommen einen Coffee for free.

Weitere 60 Meilen beläuft sich die landschaftlich schöne Strecke bis Tok, wo wir heute wohl bleiben werden. Irgendwann rückt die Alaska Range ins Blickfeld. In Tok angekommen gehen wir ins Visitorcenter und erkundigen uns nach Schiffstouren von der Kenai-Halbinsel. Die Dame ist sehr bemüht; so wie es aussieht, gibt es im September nicht mehr viele Möglichkeiten für eine Tour. Wir werden sehen. Nebenan im Three Bears Supermarkt finden wir einen sehr gut sortierten Store vor und kaufen für nachher noch Hackfleisch und Semmeln für Burger. Tok River CampDie Preise sind hier ganz zivil; manche Artikel sind hier zwar doppelt so teuer als im Supermarkt im Südwesten, die Dinge des täglichen Bedarfs sind aber durchaus akzeptabel. Einzig das Firewood ist mit 9,99 $ mehr als gesalzen. Wir fahren die paar Meilen retour zum Tok Riverside Campground vor dem Ort gelegen, berappen 15 $ für eine Nacht. Erst mal das Anti-Mücken-Spray herausgeholt; heute fliegen die Tierchen recht emsig. Wenig später brutzeln unsere selbstgemachten Burger Patties. Wir machen anschließend noch ein Campfire und beschließen den Abend mit einem Schluck Whiskey.

 

Gelaufen:
Gefahren: 410 km
Übernachtung: Tok Riverside Campground, 15 $

Donnerstag, 3.09.09

Der Verkehr vom Alaska Highway, an dem der Campground liegt, hat im Laufe der späteren Stunden nachgelassen; wir haben gut geschlafen. In der Frühe ist es wieder recht frisch; das Thermometer zeigt gerade mal 3 °C, aber die Sonne ist schon bei der Arbeit. Wir machen uns auf den Weg nach Fairbanks; Andy lädt schon mal sein Handy, damit er – sobald wir Empfang haben – einen Campground für den Denali reservieren können. Wir sind etwas besorgt, da das Labour Day-Wochenende naht und es vermutlich schwierig werden wird, am Teklanika Campground noch eine Site zu bekommen.

Alaska RangeDie weiteren Highlights des Streckenverlaufs ist ein Hinterteil einer Moose-Kuh, die sich ganz schnell vom Acker macht; leider haben wir nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ein Tal im Nebel und ein dampfender See zwingen zum Anhalten für ein Foto. Je näher wir Delta Junction kommen, wo auch der Alaska Highway endet, rücken im Westen die majestäisch wirkenden schneebedeckten Gipfel des Mount Hayes und Mount Deborah ins Blickfeld. Am Highway warnen Schilder vor Bisons; sie haben hier im Tal ein Rückzugsgebiet gefunden, damit sie den Landwirten nicht zu viel Schaden auf den Feldern anrichten.

Alaska HighwayKurz vor Delta Junction gibt es eine Metzgerei, die Wurst  aus Wild verarbeitet. Wir machen kurz Halt und nehmen uns eine kleine Kostprobe aus Deer-Meat mit. In Delta dann noch auftanken, es ist bereits 11.30 h und bis Fairbanks sind es noch einige Meilen.

Nächster Halt ist in North Pole; wir legen hier eine Mittagspause bei Wendys ein – liegt nah am Highway und ein Chili kommt jetzt gerade recht. Im Santa Clause Shop nebenan schauen wir zwangsweise noch vorbei; Kitsch und Kram für Weihnachten das ganze Jahr über ist eigentlich nicht so unser Ding.  Somit geht es auch ziemlich flott weiter und wir erreichen gegen 14.00 h Fairbanks. Es geht erstmal zum Visitorcenter und wir erkundigen uns nochmal nach einem Campground im Denali. Andys Anruf von North Pole aus hat leider nicht zum gewünschten Ergebnis geführt, der Teklanika ist wie vermutet komplett ausgebucht und erst ab Montag wieder buchbar. Auch im Visitorcenter kommen wir nicht weiter; es gibt aber ein kostenloses Telefon, um im Park telefonisch zu reservieren. Wir entscheiden uns dann doch für den Riley Creek Campground direkt am Eingang; besser so, als die Zeit hier vertrödeln zu müssen. Allzu viele Alternativen um Fairbanks gibt es nicht, wenn man nicht zig Meilen fahren möchte. Wir können noch kurz unsere Mails abrufen und der Familie eine Nachricht schicken, dass wir wohlauf sind. Anschließend gehen wir im Nachbarhaus zum Wäschewaschen; nicht gerade günstig; soviel haben wir noch nie für 3 Maschinen und Trockner berappt (14 $). 

Universität FairbanksNach einer Stunde sind die Klamotten wieder frisch und wir steuern Walmart für den Einkauf an. Bei Fred Meyer nebenan gibt es noch Brot und dann geht es hinauf zur Uni; von dort oben soll man – wenn man Glück hat – den Mount McKinley in der Ferne sehen können. Wir können ihn ausmachen, es ist allerdings etwas dunstig; dafür gibt es heute Fullmoon über Fairbanks. Neben der Uni befindet sich auch das Museum, das bis 21.00 h geöffnet hat. Wir haben bereits 20.30 h und können noch kurz einen Blick in den Museumsshop werfen und im Handumdrehen ist eine halbe Stunde um. Es gibt noch einen spektakulären Sonnenuntergang. FairbanksDie Zeit rast heute nur so dahin und als wir wieder am Walmart Parkplatz ankommen, ist es bereits 21.30  h. Wir schieben noch eine Pizza in den Ofen und  besorgen später noch eine Doormat für den Camper. Bis wir in die Koje kommen ist es bereits 24.00 h. Wir testen heute mal den Campground à la Walmart und der hat zwar umgebungsmäßig nichts zu bieten; erfüllt aber den Zweck.

Gelaufen:
Gefahren: 372 km
Übernachtung: Walmart Parkplatz Fairbanks

Freitag, 4.09.09

Um 7.00 h weckt uns der Verkehr und wir packen zusammen. Bei Starbucks im Nachbarblock gibt es noch einen Vanilla Latte und einen Tee und dann nochmal zum Auftanken, dumpen und Wassertank auffüllen – ist an der Sourdough Tankstelle alles im Preis des Tankens inbegriffen. Bei Sonnenschein, blauem Himmel und 6 °C geht es auf die „3“ Richtung Anchorage mit Ziel Denali.

Parks Highway mit Mt. McKinley im HintergrundIrgendwann taucht auch im Westen der Mt McKinley auf; kaum zu beschreiben, dieser weiße Koloss.  Gegen Mittag sind wir in McKinley, eine Ansammlung von Souvenir- und Imbiss-Shops auf der einen Seite, auf der anderen ein paar Lodges. Wir haben Lust, ein wenig zu stöbern und es gibt noch ein T-Shirt sowie für Andy und für Elke eine Mütze. Kurz vor dem Parkeingang machen wir Mittag und dann geht es zum Riley Mercantile um uns anzumelden. Denali National ParkWir bekommen unser Parktag für den Campground und die Tickets für die morgige Bustour und machen uns gleich auf die Suche nach einem Stellplatz. Die Sites sind mit lichtem Wald dazwischen recht schön angelegt und wir finden auch bald ein Fleckchen, das uns zusagt. Andy spannt sogleich eine Wäscheleine, damit noch einige feuchte Kleidungsstücke in der Sonne trocknen können. Elke sammelt noch ein paar Blueberries und eine halbe Stunde später brechen wir auf zum Visitorcenter.

Wir gehen zu Fuß zum Wilderness Center, wo auch morgen der Busshuttle zum Wonderlake abfährt. Wir sehen uns den kurzen Film zum Nationalpark an und nehmen den Shuttle zum Visitor Center, wo wir uns noch ein paar Infos für morgen holen. Um 6.50 h müssen wir bei der Bushaltestelle sein; die Fahrt bis zum Wonderlake dauert in etwa 4 bis 5 Stunden, je nachdem wieviel Wildtiere unterwegs zu sehen sind und wie oft der Bus anhält. Wir wollen morgen den Trail am Wonderlake gehen und müssen spätestens um 4.00 h den Shuttle zurück nehmen; also ist mit groß Wandern nichts drin, sonst kommen wir nicht mehr zurück.

Riley Creek CampWir gehen noch zum Horseshoelake. Hier haben Biber ganze Arbeit geleistet; den See gäbe es ohne deren Anwesenheit so nicht. Wir lassen uns Zeit, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Erst nach 18.00 h sind wir wieder am Campground. Andy entfacht die Grillkohlen; Elke verzieht sich in die Camperküche und eine Stunde später gibt es frischen, gegrillten Lachs mit Gemüse. Wir entfachen noch ein Campfire und wärmen uns daran; nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwindet wird es schnell frisch.

Gelaufen: Horseshoe Lake, ca. 3,5 km
Gefahren: 201 km
Übernachtung: Riley Creek Campground, Denali NP, 13 $

Samstag, 5.09.09

Um 6.00 h klingelt der Wecker, um kurz vor 7.00 h sollen wir am Wilderness Interpretive Center sein. Mit dem allmorgendlichen Procedere inkl. Verpflegung für den heutigen (langen) Tag einpacken vergeht die knappe Stunde im Handumdrehen. Um 6.50 h sperren wir den Camper ab und finden uns rechtzeitig an der Bushaltestelle ein. Gerade noch ein paar Minuten, um nochmal die Restrooms aufzusuchen; für einen weiteren Becher Tee am Coffeshop bleibt keine Zeit mehr.

Denali NationalparkDer Schulbus kommt pünktlich und um 7.15 h fahren wir ab mit Ziel Wonder Lake. Bar, unsere Busfahrerin, gibt noch eine Sicherheitseinweisung und dann geht es auch schon los. Wir werden die ersten 15 Minuten mit einer Flut von Do's and Dont's überschüttet und unser noch etwas lahme Schaltzentrale ist noch nicht warm gelaufen. Wir dürfen bei Tiersichtungen jederzeit laut Stopp rufen und Bar versucht so gut es irgend möglich ist, fotografierfreundlich anzuhalten. Nicht erlaubt ist dagegen, während der Fahrt aufzustehen oder sich bei Tiersichtung aus dem Fenster zu lehnen; es gilt während der gesamten Fahrt Anschnallpflicht. Noch bevor wir den Savage-Campground erreichen, wo wir noch Leute aufsammeln, sichten wir den ersten Grizzly und ein kapitalen Elchbullen, der direkt auf den Bus zuläuft. Leider wird die Fotosession jäh von Bar unterbrochen, weil ein Insasse gegen die Regeln verstoßen und sich aus dem Fenster gelehnt hat.

MooseWeitere Moose-Sichtungen unterbrechen immer wieder die Fahrt, die Tiere sind schon bemerkenswert. Beim Savage-River, dem Eingang zum Nationaplark, steigt eine Rangerin zu und heißt uns im Park willkommen, sagt noch ein paar Sätze und ist dann auch schon wieder verschwunden. Ab hier dürfen nur noch Busse, Fahrzeuge bis zu den jeweiligen Campgrounds oder mit Sondergenehmigung fahren. Die Landschaft  ist sehr abwechslungsreich; von Buschland mit Willow's und kleinen Sträuchern, hin zur Alpine Tundra bzw. Taiga und kleineren Waldabschnitten sowie überdimensionalen Bachbetten, die durch Gletscher entstanden sind.

Mt. McKinleyHinter Savage bekommen wir einen ersten Blick vom Mt. McKinley, der komplett wolkenfrei (!!!!) vor uns liegt. Wir fühlen uns wie Lottogewinner, denn dieser Anblick bietet sich nur wenigen Besuchern im Jahr. Nach dem Teklanika Campground, auf den wir ursprünglich wollten, geht es hinauf zum Sable Pass, dem Wildlife Refuge, wo sich Bären und anderes Getier tummelt. Hier ist aus Sicherheitsgründen auch das Hiken untersagt. Wir können tatsächlich ein paar Bären in der Ferne beobachten. Unterwegs gibt es immer mal wieder kurze Pausen zum Füßevertreten, Rauchen oder anderen Bedürfnissen.

Polychrome PassDas Polychrome Valley ist absolut beeindruckend; die Berge sind hier farbig und vulkanischen Ursprungs. Der absolute Wow-Effekt ist dann am Eielson Visitor-Center, das seit zwei Jahren in Betrieb ist. Von hier hat man den absolut beeindruckendsten Blick auf den Mount McKinley, weshalb hier die Pause auch doppelt so lange ist als die bisherigen kurzen Stopps. Andy
 das CaribouIm Visitorcenter gibt es Interessantes zu Wildtieren, eine Plastik über das Mount Mc Kinley Massiv und die Gletscher sowie im Außenbereich zwei große Karibugweihe, die man auch mal in die Hand nehmen darf um zu sehen, wie schwer diese Gehörne sind. Eindrucksvoll auch die Geschichte und die beiden ineinander verkannteten Elchgeweihe, deren Träger den Kampf um das Revierrecht beide verloren haben. Die beiden haben sich so ineinander verkeilt, einem der beiden wurde dabei das Auge ausgestochen und da sie sich nicht mehr voneinander lösen konnten, sind sie beide gestorben. Tragisch diese Geschichte, aber durch den Tod haben sie anderen Tieren wie Wölfen, Wolverines, Raubvögeln und Nagetieren, die durch das Knabbern an den Geweihen wertvolle Mineralien bekommen, fürs Überleben geholfen.

Denali Reflection PondEs geht mittlerweile auf Mittag zu und das letzte Stück bis hinter zum Wonderlake zieht sich nun ganz schön. Um 12.30 h sind wir an der Kreuzung Kantishna/Wonder Lake, wo wir mit ein paar Landsmännern aussteigen und zum Reflection Pond laufen. Dieser kleine See, der an der Straße nach Kantishna liegt, bietet bei Windstille die Möglichkeit ein Spiegelbild des großen Bergs einzufangen; nur heute leider nicht. Es ist mittlerweile so warm, dass wir im T-Shirt laufen können, Wir machen ein paar Bilder, auch ohne Spiegelung und verabschieden uns von den Tipp-Gebern. Wir machen uns auf und laufen auf kleinen Trampelpfaden in der nahen Umgebung des Wonderlake. Elke kommt an den Blueberries nicht vorbei und sammelt während Andy schon mal vorausgeht. Wir können nicht lange trödeln, denn um spätestens 16.00 h geht der Bus retour zum Visitorcenter. Wir machen uns so langsam auf den Rückweg, denn bis zur Bushaltestelle haben wir noch ein paar Schritte zu gehen. Das sagenhafte Bergmassiv vor Augen laufen wir trotz staubiger Straße beschwingt dahin und machen dann noch am Wonderlake eine kurze Rast. Andy wird von einer Jay-Art regelrecht angefallen, als er die restliche Brotzeit verzehrt.

Um 15.30 h sind wir am Bus, fragen die Fahrerin, ob wir bis zum Visitor Center mitgenommen werden und steigen ein. Kurze Zeit später erkennt sie, dass wir nicht bei der letzten Truppe dabei waren, sondern „New“ sind und müssen wieder aussteigen. Erst wenn die Truppe der hier kürzlich angekommenen Fuhre wieder im Bus sitzt und noch Platz ist, dürfen wir mit. Wir werden ziemlich unfreundlich behandelt, worin wir keinen Grund sehen. Als alle dann Platz genommen haben und uns eine Frau noch extra versichert, sie hätten noch genügend freie Plätze, willigt auch die Fahrerin ein und wir dürfen einsteigen. Gut, dass wir direkt am Wonderlake zugestiegen sind; an der kaum 100 m entfernt liegenden Haltestelle sind es mehr Mitfahrer, als Plätze vorhanden sind und die zurückgebliebenen müssen eine weitere halbe Stunde warten.

Scenic Lookout DenaliWie immer gestaltet sich die Rückfahrt kürzer als der Hinweg. Wir sehen unterwegs noch ein paar Dallsheep, einen Luchs, eine Grizzly Mama mit ihren Kindern, Karibus und zum Schluss noch einen kapitalen Elchbullen, der die Straße kreuzt. Gegen 20.00 h sind wir wieder am Ausgangspunkt und marschieren das kurze Stück via Mercantile, wo wir noch für eine weitere Nacht den Stellplatz verlängern und dann zu unserer Campsite. Heute gibt es nur noch ein Chili aus der Dose; das ganz schön scharf ist. Die Dusche im Camper wird heute noch genutzt und mit Bilder laden, Bericht schreiben ist auch schon bald gut für heute. Morgen wollen wir nochmal früh raus und hoffen auf ein paar eindrucksvolle Tierbeobachtungen.

 

Kleine Quizfrage am Rande: Was ist ein Squirrel für einen Bären? Ein Grizzly-Granolabar. Wie nennen Bären Jogger? Fast Food oder Lean Cuisine. Wie nennen Bären Mountainbiker? Meals on Wheels. Und wie nennen Bären Touris in Bussen? Canned Food.

 

What a great day!

 

Gelaufen: ca. 5 km
Gefahren: Bustour ca. 160 mi.
Übernachtung: Riley Creek Campground, Denali NP, 13 $

Sonntag, 6.09.09

Der Wecker reißt uns um 6.00 h aus den Träumen und wir quälen uns aus den Schlafsäcken. Um kurz vor 7.00 h sind wir startklar und machen uns auf den Weg Richtung Savage River. Schon im ersten Abschnitt entdeckt Elke einen großen Elch samt Kuh im Schlepptau und Andy springt mit Kamera und Stativ aus dem Auto. MooseDieses Mal sind ein paar gute Bilder dabei; der Bulle marschiert dann noch über die Straße. Als ein weiteres Auto hält und ein Mann mit Kamera aussteigt und die Kuh fotografiert, dann bereits wieder zum Auto zurückkehrt, mache ich ihn auf den Bullen aufmerksam, der sich hinter einem Busch verzogen hat. Der ältere Herr kehrt nochmal um und auch ihm gelingen ein paar Aufnahmen. Hinterher bedankt er sich x-mal, für den Tipp – so ein Prachtexemplar hat er noch nie im Leben gesehen und er ist mehr als happy.

Denali NationalparkWir fahren weiter und kurze Zeit galoppiert eine Kuh mit einem Bullen im Schlepptau durch die Landschaft – es ist Paarungszeit. Die beiden sind so schnell, dass Andy es nicht schafft, die Szene fotografisch festzuhalten. Leider fällt ihm dann auch noch die Kamera vom Stativ; sie war nicht richtig aufgesteckt. Das Tele hat was abbekommen; der Zoomring geht leer durch. So ein Mist. Wir fahren bis zum Parkeingang, doch da ist zur Zeit noch dicker Nebel und wir drehen nochmal um. MooseDie nächste Szene sind ein Bulle mit zwei Kühen, nahe an der Straße. Es stehen schon jede Menge Fotografen dort und man kann die Tiere aus nächste Nähe beobachten. Kurze Zeit später blockieren Autos auf der Gegenseite und ankommende Busse die Strasse und sofort ist auch ein Einweiser vom NP da, der den Stau auflöst. Einerseits betonen die Nationalparkangestellten immer wieder, dass sie die Wildtiere nicht in Stress versetzen wollen; naht aber ein Bus (vom NP) und geht auf die Bremse, gibt es ein irres Knallgeräusch, das die Tiere sicher auch beeinträchtigt. Wird der Motor abgestellt und neu gestartet, dann gibt es erneut ziemliche Geräusche – das können wir nicht so recht nachvollziehen. Nachdem wir auch hier etliche Fotos geschossen haben, geht es nun endlich zum Parkeingang, wo wir vor der Brücke das Auto parken.

Native WomanWir machen uns zu Fuß auf und gehen die Straße hoch bis zur ersten Haltestelle im Park, wo die Busse der History Tour einen Stopp einlegen. Von hier hat man einen tollen Blick auf den Mt McKinley, der heute vormittag wieder wolkenfrei vor uns liegt. Wir machen ein paar Fotos und kurze Zeit später erscheint eine Athabascan Native, die die Gruppe der History Tour begrüßt und ein paar Worte zu ihrem Stamm, und ihrer Kultur erzählt. Zum Abschluss singt sie noch ein Lied über den Denali – finden wir sehr eindrucksvoll. Die Gruppe löst sich auf und wir marschieren noch ein Stück weiter und dann auf einen kleinen Hügel hinauf, oberhalb der Straße und machen dort Mittag. Langsam aber allmählich kommen immer mehr Wolken, es weht auch ein frischer Wind. Querfeldein läuft es sich nicht so gut; kleine Büsche und Sträucher müssen umgangen werden und im Moos sinkt man sehr tief ein.

Wir drehen wieder um und laufen zurück zum Auto – es waren dann doch fast 7 Meilen, die wir gelaufen sind. Wir fahren zurück zum Campground, Elke geht Duschen und Andy versucht am Mercantile die Mails abzurufen. Pickup CamperLeider ist die Verbindung hier so schlecht, dass es nicht funktioniert. Wir genehmigen uns heute einen gemütlichen Nachmittag, Andy nimmt eine Mütze voll Schlaf und Elke putzt ein wenig und kümmert sich dann ums Abendessen. Mittlerweile hat es zugezogen und es tröpfelt; hört aber später wieder auf und nach dem Essen ziehen wir nochmal los. Vom Sonnenuntergang ist heute nicht viel zu sehen; die Wolken hängen zu tief und auch hier fällt noch Regen; es gibt aber auch einige Flecken, wo die Sonne noch durchkommt und einige Spots, die beleuchtet werden. Zurück am Campground verfeuern wir das schlechte Holz vom Walmart, das kaum brennen will. Es wird heute spät, bis das Feuer abgebrannt ist, zeigt die Uhr nach 23.00 h.

 

 

Gelaufen: ca. 7 mi
Gefahren: 112 km
Übernachtung: Riley Creek Campground, Denali NP, 13 $

Montag, 7.09.09

Heute morgen ist es schon spät, als wir aufstehen und aufbrechen. Als Andy Zähne putzt, drückt das Greywater schon aus dem Duschabfluss; der Tank ist voll und wir gehen vor Aufbruch noch auf dem Campground dumpen und Wasser auffüllen. Moose CrashWir verlassen den Denali, der immer noch dick in Wolken eingepackt ist und fahren nach Anchorage. Leider hat man von den vielen Viewpoints entlang des Park Highway nicht viel, da man die Berge nicht sieht. An der Straße stehen zwei Männer, die ein Moose beiseite räumen; auf der Straße sind die Blutspuren von einem Zusammenstoß deutlich zu sehen. Der Truck, der das Tier gerammt hat, steht kurze Zeit später in einer Seitenbucht; er ist stark beschädigt.

Brücke am Parks HighwayDie Strecke ist zwar abwechslungsreich und landschaftlich ansprechend, doch Andy ist heute etwas müde und braucht ne Pause. Elke fährt weiter bis wir gegen 13.30 h an einem See Mittag machen. Wir sind kurz vor Willow, wo wir dann auch auftanken und das letzte Stück bis Anchorage in Angriff nehmen. Der Verkehr wird zunehmend dichter; die größte Stadt Alaskas kündigt sich weit im voraus an.

AnchorageGegen 16.00 h sind wir am Ziel, parken für zwei Stunden auf einem RV-Parkplatz in der City, gehen ins Visitorcenter und schlendern noch ein wenig durch die Innenstadt. Ein Souvenirshop reiht sich an den anderen; an sonsten ist heute wegen Feiertag viel geschlossen. Bei Starbucks versuchen wir bei einem Kaffee ins Internet zu gelangen, aber auch hier ist die Verbindung mehr als schlecht und wir kommen nicht weiter. Ein kurzer Abstecher noch zur Ulu Factory, wo wir ein Ulu erstehen – das ist ein traditionelles Messer der Eskimos zum Schneiden und Hacken. Dann heißt es für die nächsten zwei Wochen Proviant einkaufen und wir suchen einen Walmart. In Anchorage gibt es allerdings kein Supercenter, so dass wir erst bei Walmart Getränke besorgen und bei Fred Meyer schließlich noch die restlichen Lebensmittel. Wir gehen beim Golden Corral essen; da ist heute ganz schön was geboten. Das Essen ist gut, die Auswahl reichlich und der Preis für Alaska auch o.k. Schließlich wollen wir auf dem Walmart Parkplatz stehen bleiben, werden aber von der Security darauf hingewiesen, dass es in Anchorage nicht erlaubt ist. Wir werden nach nebenan zu Mc Donalds verwiesen und schließlich finden wir auf dem Gelände bei noch weiteren anderen Campern einen Platz vor einem Einkaufszentrum.

 

Gelaufen:
Gefahren: 410 km
Übernachtung: Supermarkt Parkplatz

Dienstag, 8.09.09

Wir haben schlecht geschlafen; ständig ist gestern Abend noch ein Auto mit dröhnendem Auspuff um uns gekreist und wir waren in Alarmbereitschaft, ob man uns eventuell auch hier vertreibt. Dies war zwar nicht der Fall, aber richtig tief und fest war die Nachtruhe damit nicht.

Gegen 7.30 h stehen wir auf, da bereits ein Rasenmäher die Grünstreifeneinfassung des Parkplatzes bearbeitet – vielleicht auch gerade deshalb, damit die Camper bald verschwinden. Wir frühstücken und gehen noch bei Carrs – einem Safeway Ableger – Brot holen. Dem Special-offer, einem Karton mit einem Dutzend Donouts können wir nicht widerstehen und nehmen auch den noch mit.

Gleich am Eingang ist ein Starbucks und da lassen wir uns nieder, um im Internet noch einige Infos zu bekommen. Die Verbindung ist tadellos und während Andy eine Preisauskunft für die Fährverbindung zwischen Whittier und Valdez einholt, schreibt Elke noch ein paar Karten. Das mit der Fähre scheidet dann aus Preisgründen aus; wir würden uns damit zwar jede Menge Meilen und Benzin sparen, dafür würde uns die Fähre aber rund 460 $ kosten und das steht dann doch nicht im Verhältnis. Dafür buchen wir für Freitag, wo es wettermäßig wieder etwas besser werden soll, eine Tour durch die Kenaj Fjords. Allzu viele Möglichkeiten für eine Cruise haben wir nicht mehr; die meisten Touren haben heute ihre letzten Tag oder werden seit Ende August nicht mehr angeboten. Bucht man übers Internet gibt es einen Rabatt von 30 % auf den regulären Preis. Elke beantwortet noch ein paar Mails und dann geht es raus aus der Stadt zum Beluga Point.

Turnagain ArmHier ist es irre windig; unser Schneckenhaus schwankt wie ein Schaukelstuhl als wir dort mittag machen. Von hier aus könnte man, sofern man zum richtigen Zeitpunkt da ist, die Bore Tide sehen. Ein Schauspiel, dass sich am spektakulärsten zu Voll- oder Neumond ereignet und wenn die Tide im Minusbereich liegt. Informationen darüber gibt es im Visitorcenter, wo man einen Tidenkalender bekommt. An diesen speziellen Tagen läuft die Flut wie eine Welle in den Turnagain Arm ein; je nach Windverhältnissen kann diese zwischen 6 und 10 feet hoch sein und mit eine Geschwindigkeit zwischen 10 und 15 mph haben. An den übrigen Tagen ist diese Spektakel zwar auch sehenswert, aber eben bei weitem nicht so dramatisch. In der Bucht gibt es außerdem Beluga Waale; wir können heute allerdings keinen entdecken, zum einen läuft das Wasser soeben ab und es ist außerdem zu stürmisch. Als wir gerade aufbrechen, parkt neben uns die Gruppe, mit denen wir uns bei der Wonderlake Tour im Denali unterhalten haben. Wir wechseln ein paar Worte und machen uns auf den Weg nach Portage.

Portage GlacierUnterwegs halten wir natürlich immer mal wieder für ein Foto an; denn jetzt rücken immer mehr Gletscher in unser Blickfeld. Auch für einen Weißkopfseeadler machen wir nochmal einen U-Turn; er sitzt auf einem Stück Treibholz auf der soeben trockengelegten Schlickbank. In Portage fahren wir zum gleichnamigen Gletscher bzw. dem Gletschersee; zum Gletscher selbst kommt man nur per Schiff. Wir parken vor dem Visitorcenter und fotografieren erst mal die Eisschollen die im See treiben; wow – das ist schon spektakulär. Auch hier geht ein heftiger kühler Wind, der vom Gletscher herunterkommt. Der Erste Lachs ist gefangen!Im Visitorcenter, das vom National Forrest Service betrieben wird, gibt es einen Film – Eintritt 3 $. Am Counter gibt man gerne Auskunft bei Fragen und ein kleiner Souvenirshop ist angeschlossen. Wir nehmen noch eine Campground-Übersicht mit (gibt’s für 50 Cent) und man gibt uns einige Tipps für die Kenai. Der Russian Creek Campground wird empfohlen, wobei es hier entlang der Straße jede Menge Campgrounds gibt und einer dem anderen nicht viel vorraus hat.

Wir machen uns auf den Weg und treffen gegen 17.00 h hinter Cooper Landing auf dem Campground ein. Kurz nach Einfahrt werden wir von einem Mitarbeiter des National Forest hingewiesen, dass ein Bär gesichtet wurde, der  nahe der Sites ein Nickerchen macht und sich nicht stören ließ. Wir sollen vorsichtig sein, wenn wir zum Fluss wollen und just in dem Moment, als wir eine Site beziehen, kommen uns schon ein paar Leute entgegen, die uns die gleiche Auskunft geben. In dem noch offenen Campingbereich – etliche Abschnitte sind schon closed for season – stehen einige  RV's, die Anglern gehören (kann man sofort erkennen). Wir begeben uns vorsichtig zur Feestation, entrichten 18 $ p. Nacht (ist lt. Reiseführer hier so teuer, weil dies ein sehr guter Angelplatz ist). Andy macht sich auf die Suche nach dem Meister Petz und geht ein Stück die Straße entlang; Elke ist dabei gar nicht wohl. Gesehen haben wir ihn nicht; ist auch besser so. Vom Auto aus, wäre das absolut kein Problem. Da das WC ziemlich weit von unserem Schneckenhaus entfernt liegt, verzichten wir heute auch gerne, in der Dämmerung nochmal dorthin zu laufen. Andy nimmt noch ne Dusche, Elke kümmert sich ums Abendessen. Später stöbern wir noch ein wenig in den Reiseführern und Info-Broschüren, was wir morgen so alles unternehmen können.

 

Gelaufen:
Gefahren: 190 km
Übernachtung: Russian River Campground, 18 $

Mittwoch, 9.09.09

Es ist bereits 8.00 h als wir aus den Schlafsäcken kriechen. Nach dem Frühstück geht’s noch zum Dumpen und Frischwasserauffüllen; es gibt hier sogar noch einen Wasserschlauch, um den Abwassertank zu reinigen. Als wir am Trailhead zu den Russian Falls vorbeikommen, entscheiden wir uns kurzfristig für den 3,6 Meilen one-way-hike. Noch zwei Wasserflaschen in den kleinen Rucksack gepackt, Stativ geschultert und es kann losgehen. Der Zubringer zum gut ausgebauten Trail geht die ersten Meter gut bergauf; dann geht es gemächlich dahin durch den Wald – wir kommen flott voran und es ist herrlich, in der frischen Morgenluft zu laufen.

Black BearAls Elke irgendwann einen Geruch, wie von nassem Hundefell wahrnimmt und kurz innehält, schaut sie ein Schwarzbär keine 20 m entfernt am Hang stehend an. Sie ist so perplex, dass sie Andy lautstark darauf hinweist. Bevor wir den Bären allerdings richtig auf ein Foto bannen können, dreht der sich um und verschwindet im Gebüsch. Da hat man mal so ein Exemplar in direkter Nähe und die Kamera nicht parat. Auf dem weiteren Weg sind wir in Alarmbereitschaft; sehen aber keinen Bären mehr – nur die Hinterlassenschaften. Dafür gibt es noch Grey Grouse zu sehen und die sind gar nicht scheu.

Sockeye LachseAn den Russian Falls gibt es dann jede Menge Sockeye Lachse zu sehen, ab und an versucht auch einer, gegen die Strömung anzukämpfen und den Wasserfall nach oben zu kommen. Wie wir später von zwei Anglern erfahren, ist nun Laichzeit; die Tiere eignen sich nun nicht mehr zum Verzehr und nach dem Ablaichen gehen diese in die ewigen Jagdgründe ein. Dagegen haben jetzt Silver Salmon Saison, die beiden Angler sind auf der Jagd nach Rainbow Trout, denn die sind jetzt ganz scharf auf den Sockeye Lachs-Laich. An den Wasserfällen fotografiert Andy was das Zeug hält, es geht anschließend noch ein Stück weiter dem Fluss entlang und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Wanderung war eine gute Idee; nach 12.00 h sind wir zurück am Auto.

Wir wollen heute noch nach Homer und bis dahin ist es noch eine ganze Ecke zu fahren. Am Sterling Highway liegt die Skilak Recreation Area und dort machen wir gegen 13.00 h Mittag an einem See. Über Soldotna, das uns richtig groß vorkommt und einige große Geschäfte samt Supermarkt und jede Menge Tankstellen, mit verhältnismäßig günstigen Spritpreisen hat, geht es weiter nach Ninilchik, wo wir einen kurzen Stopp einlegen.

Russische Kirche in NinilchikDas verschlafene Nest hat ein paar urige Behausungen und eine russisch orthodoxe Kirche, die wir uns ansehen sollten, wie man im Portage Visitor Center  gestern empfohlen hat. Gesagt getan; die Kirche liegt auf einer Klippe und hat einen tollen Meerblick; auch das Innere ist interessant. Es ist sogar ein Pope da mit dem wir ein paar Worte wechseln. Das Einzugsgebiet der Gläubigen geht runter bis nach Homer und es sind fast 125 Leute, die zu dieser Kirchengemeinde zählen. Ninilchick hat neben der Kirche auch einen Leuchtturm, den wir vom RV Park gegenüber noch fotografieren und da sitzt auf einem Baum auch noch ein Eagle vor unserer Nase.

Homer und die Kachemak Bay

Der Nachmittag schreitet voran und wir müssen weiter; bis nach Homer sind es jetzt noch rund 25 Meilen. Nun hat man immer häufiger den Blick vom Highway aus auf das Cook Inlet und die wolkenverhangenen Berge. Ein rieisiger Kontrast zu der bisher gesehenen Landschaft. In Homer angekommen gibt es erst mal ein paar Bilder auf den Spit von oben und dann fahren wir auch schon hinüber. Wir haben uns das zwar von den Reiseführern her ein wenig anders vorgestellt, als es jetzt ist, aber auch o.k. Es gibt einige Souvenirläden und ein paar Restauants, aber bei weitem nicht so viele wie vermutet. Wir fahren erst mal ganz bis ans Ende und hoffen, noch den Fang ein paar heimkehrender Fischerboote bestaunen zu können, doch da ist heute nichts los. Statt dessen sehen wir uns im Hafen um und da liegt die Time Bandit im Hafen; das Schiff zur Serie „Der härteste Job“, in dem es um Fischerboote geht, die weit entfernt der Aleuten auf Fischfang gehen. Eismeer Kraben Fischer, Time Bandit Die Time Bandit fischt Eismeerkrabben und trotzt Sturm, Wind und Wetter; zeigt den harten Arbeitstag der Crew und die Kabbeleien der Besatzungsmitglieder. Es gibt auch einen Souvenirshop, in dem es so allerlei keineswegs preiswerte Artikel mit dem Schriftzug des Schiffsnamens gibt. Wir schlendern die Shopzeile entlang und es geht noch ein weiteres Ulu mit Moose-Antler in unseren Besitz über. Hier ist der Preis absolut angemessen. In einem Arts and Crafts-Laden gibt es sehr schöne Schnitzereien, allerdings zu so gesalzenen Preisen, dass wir es beim Betrachten belassen.

Homer Boat 
HarbourAndy möchte gerne Fish & Chips essen und wir suchen uns ein Restaurant. In Homer selbst ist es uns mit über 21 $ zu teuer, so dass wir das Angebot für 12,50 $ wählen. Ist ganz o.k., haut uns aber auch nicht vom Hocker. Wir checken auf dem Stellplatz der Stadt Homer direkt auf dem Spit für 15 $ ein; ist zwar nicht super, dafür haben wir aber einen tollen Blick auf das Inlet. Wir machen noch einen Abendspaziergang am Strand, fotografieren einen Weißkopfseeadler, der hier seine Kreise zieht, jede Menge Möwen, einen Regenbogen und schließlich noch ein wenig Abendstimmung; für einen Sonnenuntergang hat es heute zu viele dicke Wolken. Im Camper haben wir dann sogar Internetempfang; zwar sehr langsam, aber es reicht, um den Wetterbericht für die nächsten Tage einzusehen und ein paar E-Mails zu lesen. Mit Fotos laden und Bericht tippen ist es dann dauch schon 23.00 h und gut für heute.

Bald Eagle

Gelaufen: ca. 7 Meilen, Russian River Falls - absolut empfehlenswert
Gefahren: 232 km
Übernachtung: Public Lands Campground, Homer Spit, 15 $

Donnerstag, 10.09.09

Gegen 8.00 h ist die Nacht vorbei und wir packen zusammen. Am Campground können wir Frischwasser auffüllen und Dumpen und es geht ein letztes Mal hinter nach Lands End, wo wir noch ein paar Fotos machen. DumpingEs ist zwar immer noch wolkenverhangen, es sind heute aber ein paar mehr Gipfel als gestern zu sehen. Bye Homer, es hat uns hier gut gefallen. Am Alaska Islands Ocean & Visitor Center schauen wir kurz noch rein; es ist kostenlos und bietet eine Menge Informationen über die Natur und die Tierwelt über und unter Wasser. Auch über die ersten Siedler hier kann man eine Menge erfahren, es gibt jede Menge Schaukästen u. a. Auch Fundstücke der japanischen Soldaten aus dem 2. Weltkrieg von der äußersten Aleuteninsel Attu. Auch für Kinder bietet dieses Museum undendlich viel; wissenswertes wird spielerisch vermittelt und es gibt auch vieles zum Anfassen. Leider drängt die Zeit und wir müssen weiter; heute auf jeden Fall bis Seward.

Mt. St. AugustinAuf der Strecke Richtung Soldotna haben wir jetzt im Westen immer wieder tolle Ausblicke auf die zwei über 3.000 m hohen Vulkankegel Mt. Iliamna, der noch zur Aleutian Range gehört; Mt. Redoubt.  Als wir den Mt. Iliamna perfekt für ein Foto sichten, biegen wir kurzerhand links ab; ein mit Schlaglöchern übersäter Parkplatz eines Ladens mit angeschlossener Laundry. Elke vernimmt bei dem geschaukel ein seltsames Geräusch aus dem hinteren Wagenteil und als wir anhalten und Andy fotografiert, entdeckt sie die Bescherung. Die Schlaglöcher haben uns jede Menge Scherben beschert; die Türe des oberen Geschirrschranks ist dabei aufgegangen und nun haben wir nurmehr einen großen Teller und 1 Glas; die Müslischüsseln und die Tassen hat es nicht erwischt. Wir beseitigen den Scherbenhaufen und ärgern uns über das Malheur. Bleibt nichts anderes übrig, als demnächst Nachschub zu besorgen.

Totem PoleEtwas später, die Gemüter haben sich wieder beruhigt, nehmen wir die Kalifornsky Road, die unmittelbar bei Kasilof links abgeht. Nicht weit davon befindet sich auf der linken Seite der Straße Old Kasilof; die ersten Häuser der Siedler hier. Wir streifen ein wenig umher, das office ist closed for season und es geht weiter nach Kenai. Kenai selbst bietet nicht allzu viel an historischen Bauwerken; die Russisch orthodoxe Kirche ist sehr schön und gepflegt, die Nikolai Kapelle gleich nebenan ein Foto wert und das älteste Haus steht direkt mit Blick zum Meer daneben. Es beherbergt mittlerweile eine Anwaltskanzlei. Vom ehemals alten Fort ist lediglich ein Gebäude zu sehen, das umzäunt und private property ist. Wir halten uns hier nicht lange; beim Verlassen von Kenai entdecken wir, dass es hier demnächst ein Walmart Supercenter geben wird.

In Soldotna halten wir bei Fred Meyer und sehen mal, ob es hier Geschirr gibt. Es gibt, aber das was wir haben wollen, nicht vollständig und so kaufen wir für heute Abend noch einen Halibut; müssen wir uns bis Anchorage eben irgendwie anders behelfen. Elke fährt zwischenzeitlich, weil Andy Kopfschmerzen bekommt und so geht es weiter bis nach Seward. Schon am Abzweig nach Seward ändert sich die Landschaft kollosal, die Bäume sind hier wesentlich mehr geschützt und dementsprechend hoch; es sieht hier stellenweise aus wie in den Alpen. Gegen 17.30 h haben wir unser Ziel erreicht; cruisen einmal durch den Ort und vertreten uns noch ein wenig in der Ladenstraße die Beine. Dann geht es auf einen Public Campground direkt am Wasser; der Hafen für die Kreuzfahrtschiffe liegt genau vor uns. Wir zahlen 30 $ für zwei Nächte, braten unseren Fisch und lassen den Abend ausklingen. Später fängt es heftig an zu schütten und der Wind frischt auf; an Schlafen ist kaum zu denken, weil der Regen auf das WoMo-Dach prasselt. Irgendwann gegen Mitternacht übermannt uns dann doch die Müdigkeit.

Gelaufen:
Gefahren: 327 km
Übernachtung: Public Lands Campground, Seward, 15 $

Freitag, 11.09.09

Wir können uns heute morgen Zeit lassen, da wir erst gegen 10.30 h im Office von Kenai Fjords Tours sein müssen. Die Schiffstour ist für 11.30 h gebucht. Nach 9.00 h verlassen wir mit Rucksack, Proviant und zusätzlich wärmenden Utensilien für den Fall, dass es auf dem Wasser recht zugig und kalt ist, unsere Behausung und marschieren zum Office um schon mal die Tickets zu holen. Hier wird uns dann auch gleich mitgeteilt, dass die ursprünglich für heute geplante Tour so nicht stattfinden kann, weil es immer noch stürmisch ist und die Wellen zu hoch. Statt dessen gibt es eine kleinere Tour zur Tierbeobachtung, man erstattet uns – sofern wir das machen wollen – etwas vom Preis oder wir können die Tour auch komplett absagen und bekommen das Geld zurück. Umbuchen auf morgen geht auch, kostenlos, morgen soll das Wetter besser sein. Wir entscheiden uns fürs Umbuchen auf morgen und kehren noch beim Visitorcenter des Nationalparkservice ein. Der Exit-Gletscher wird uns empfohlen und der Trail hinauf zum Harding Icefield ist trotz Regen machbar.

Exit GlacierAlso zurück zum Auto und die 9 Meilen hinter zum Exit-Gletscher gefahren. Der Eintritt ist kostenlos. Wir packen den Rucksack etwas um, Proviant und Wasser bleibt drin und wir machen uns auf den 4,5 Meilen langen Trail mit 1.000 Höhenmeter. Zunächst geht es durch Wald und Busch, schon an der Zufahrt waren Schilder mit Jahreszahlen aufgestellt, die das jeweilige Ende des Glatscher markierten. Es geht stetig bergauf, es gibt kaum Abschnitte, wo es mal ein Stück eben dahingeht. Die ersten Wanderer haben wir bald überholt und nach einer knappen Stunde verlassen wir das dichte Buschwerk und bekommen schon mal die ersten Ausblicke auf den mächtigen Gletscher. Nun sieht die Landschaft aus wie im Hochgebirge und noch ein paar Höhenmeter später dominiert nur noch Fels und zermalenes Gestein und kaum Bewuchs.

Elke entdeckt den Schwarzbären, der bereits auf der Tafel der gesichteten Tiere der letzten Tage stand, als erstes. Er ist allerdings für ein gutes Foto zu weit weg und selbst als der Weg uns ein gutes Stück näher bringt, ist zwischen dem Tier und uns noch zu viel Distanz. Das letzte Drittel Weg nehmen wir nun auch noch in Angriff, es geht nochmal steil bergauf, das Ziel ist aber schon bald in Sicht. Harding IcefieldAls wir den letzten Sattel hinter uns haben, geht es etwas gemächlicher dahin und wir können die Muskeln etwas lockern. Kurz vor Ende des Trails gibt es eine Shelter, wo wir auf der Türschwelle mittag machen; es ist bereits 13.00 h vorbei. Gestärkt geht es dann auf den letzten Metern  bis zum Ende flott dahin und wir steigen nochmal ein ganzes Stück ab,  um näher an den Gletscher zu kommen. Bis ganz nach unten geht es nicht, da es uns zu steil wird. Wir machen aber auch so noch ein paar gute Fotos und treten gegen 14.00 h den Rückweg an.

Ptarmigan - SchneehuhnZwei Ptarmigans lassen sich noch fotografieren und wir entdecken beim Abstieg wieder den Bären, der sich jetzt an einem anderen Berghang satt frisst. Wir verlassen den Trail und laufen ein ganzes Stück querfeldein, um ein paar Bilder machen zu können. Als uns vom Bären eine steile und tiefe Furche trennt, ist Andy im Fotofieber. Gegen 17.00 h sind wir dann mit zahlreichen Fotos im Kasten und vielen tiefgehenden Eindrücken von dieser gewaltigen Eislandschaft wieder am Auto und mittlerweile auch ganz schön erledigt.

Camping in SewardWir fahren zurück zu unserem Stellplatz in Seward und werfen auch gleich den Backofen an. Nach einer erfrischenden Dusche und in sauberen Klamotten lassen wir uns die Pizza schmecken. Gegen 21.00 h  verlassen die beiden Kreuzfahrtschiffe unter lautstarkem Hupen den Hafen Sewards und das ist das letzte Ereignis des heutigen Tages. Andy lädt die Fotos, Elke schreibt Bericht und heute geht’s mal früher in die Koje.

Gelaufen: 9 Meilen und 1.000 Höhenmeter, Exit Glacier, Harding Icefield
Gefahren: 39 km
Übernachtung: Public Lands Campground, Seward, 15 $

Samstag, 12.09.09

Wir werden am Morgen von einem Möwen-Stepptanz auf unserem Womo-Dach geweckt; weiß der Himmel, was die da hingetrieben hat. Gestern Abend sah es noch so aus, als würden sich die Wolken lichten; heute ist wieder graue Suppe angesagt und während des Frühstücks beginnt es heftig zu regnen. Das macht schon mal gar keine Laune für die gebuchte Cruise, wobei ja auch noch nicht gesagt ist, dass diese heute wie geplant stattfinden wird. Wir räumen zusammen, packen erneut die Ruckstäcke und machen uns kurz vor 10.00 h auf zum Kenai Fjords Tour Office. Die Route wird heute wie gebucht gefahren, wir bekommen unsere Tickets und sollen uns um 10.50 h am Bootsanleger einfinden. Wir stöbern noch ein wenig durch den angeschlossenen Laden und auf der Straße gegenüber bei True Value. Die Angelhaken, die die hier vorrätig haben, sind von der Größe unbelievable. Damit kann man einen Blue Marlin angeln, aber auch seinen Kontrahenten damit erschlagen. Von A wie Angelausrüstung bis Z wie Zange gibt es hier alles, was man(n) so brauchen kann und haben muss. Nicht zu vergessen die Latte an Schießeisen, mit denen auch der größte Elchbulle erlegt werden kann.

Orca ExplorerWir gehen zum Anleger und reihen uns ein; heute scheint es voll zu werden. Als alle an Bord sind, wir einen Platz auf dem Oberdeck gefunden haben bekommen wir erst mal eine Sicherheitseinweisung für den Fall der Fälle und ein Crewmitglied demonstriert, wie man mit der Lifewest umgeht und endet die Vorstellung mit „now, you can float“. Feuerlöscher hier, Rettungsring da, Ruhe bewahren … that's it.

Noch vor 11.30 h verlassen wir mit der Orca Voyager den Hafen und halten gleich einige Meter später für den ersten Spot – ein Seeotter wirft sich in Pose, er ist wohl immer da. Zu putzig, dieses Tier, wie es auf dem Rücken im Wasser treibt und die zig Kameras beäugt, die auf es gerichtet sind. SeeotterBlitz ist absolut verboten; da wird seitens des Captain streng darauf geachtet, der hat nämlich seine Augen (Kamera fürs Außendeck) überall. Es geht die Resurection Bay hinaus, vorbei an Fox Island, wo wir die erste Orca Schule sehen. Beeindruckend diese Finnen, die immer wieder aus dem Wasser auftauchen; am tollsten sind die drei Tiere, die nebeneinander schwimmen und zur gleichen Zeit auftauchen und man den Blas sieht. Lou, ein Weibchen, kommt sehr nahe ans Boot und lässt nicht nur die Finne sehen. Wir haben ausreichend Zeit für Fotos, es ist auch genügend Platz auf dem Deck. Zwischendurch regnet es immer mal wieder und der Fahrtwind kühlt, weshalb wir jetzt noch mehr in der Kabine sind, außerdem gibt es jetzt das Lunchpaket und die Crew ist sehr bemüht, dass es allen gut geht. Wir bekommen Limonade, Wasser, Kaffee und Tee for free, auf Wunsch auch direkt an den Platz geliefert..

Orca Orca Seelöwen

Als wir das Ailaik Cape erreichen, wir die See zusehend rauher – wir befinden uns nun im Gulf von Alaska und hier kommen die Wellen von allen Seiten. Aialik GlacierUnser Captain schaukelt uns wirklich gekonnt durch, doch es schwankt ganz schön und Elke wird es ganz flau; Andy wechselt auch die Gesichtsfarbe. Das rauhe Stück dauert zwar nur 20 Miinuten, gefühlt aber eine Ewigkeit, bis wir in die Aialik Bay einbiegen und es wieder ruhiger wird. Es geht hinter zum Aialik Glaicer; der ist der absolute Höhepunkt dieser Tour. Wir kommen ziemlich nah an den Gletscher ran und erleben, wie dieser kalbt. Riesige Eismassen krachen, knacken, bröseln ab und dann rutscht tonnenweise Eis ins Wasser. Ein Naturspektakel, das sich sehen lassen kann. Die Fotoapparate klicken um die Wette und die Aaaah's und Ohhhh's kommen von tief unten. Auch hier dürfen wir in aller Ruhe das Schauspiel genießen; dokumentiert wird hin und wieder vom Captain himself.

Holgate ArmWir drehen langsam bei und fahren noch in den Holgate Arm zum gleichnamigen Gletscher. Dieser ist nicht ganz so imposant und kalbt wohl auch in nächster Zeit nicht. Es geht wieder aus der Bucht hinaus, immer wieder mit einer paar Stopps for Wildlife-Viewing. Wir sehen jede Menge Puffins und andere Seevögel, Weißkopfseeadler gibt es hier auch zahlreich und natürlich Seelöwen, die meist dichtgedrängt auf einem Felsen sitzen. Das rauhe Stück um das Aialik Cape lässt uns an Deck verbringen; innen ist die Luft verbraucht. Elke hat ganz schön zu kämpfen und sitzt mit einer Tüte ganz am Heck des Schiffes. Vorne riecht es stark nach süßem Backwerk und das lässt den Magen noch mehr zusammenkrampfen. Andy hält es ganz gut aus, er fotografiert immer wieder. Wir entdecken noch eine Schule einer Delphinart, die um das Schiff schwimmt; sie haben ein irre Tempo drauf und können mühelos mit den 18 Knoten mithalten. Leider sind die Tiere auch fürs Fotografieren zu schnell, so dass wir sie nicht ablichten können. Als wir wieder in der Resurrection Bay ankommen, wird das Wasser ruhiger und es geht auch Elke besser. Sie ist jetzt total durchgefroren und wärmt sich in der Kabine auf, die Crew verteilt jetzt die frisch gebackenen Kekse, lecker für die die jetzt was runter bringen.

Wir steuern langsam aber sicher dem Hafen zu; auf dem Weg dorthin gibt es noch einige Weißkopfseeadler zu beobachten, auf auf dem Eagle Rock sitzt ein schönes Exemplar. Gegen 17.30 h sind wir zurück am Anleger und gehen von  Bord. Trotz  zeitweiser Übelkeit war es eine tolle Fahrt, der kalbende Gletscher das Highlight des Tages. Wir laufen zurück zum Camper und Andy sieht einen Raben, der etwas Glänzendes im Schnabel hat. Als er auf ihn zugeht, lässt er die Beute fallen. Andy findet eine 1-Dollar-Münze; so etwas gibt es wohl sehr selten. Wir zahlen nochmal für eine Nacht und backen uns noch eine Pizza. Der Wecker wird für morgen gestellt, damit wir etwas früher los kommen und dann ist für heute gut.

Gelaufen:
Gefahren:
Übernachtung: Public Lands Campground, Seward, 15 $

Sonntag, 13.09.09

Um 7.15 h stehen wir auf, und gut 1 Stunde später sind wir unterwegs. Bald EagleDas Wetter ist nach wie vor schlecht, die Wolken hängen jetzt ganz tief und es regnet pausenlos. Wir fahren noch zu einem Wasserfall, der am Ortsende von Seward in die Tiefe stürzt und dann geht es zurück nach Anchorage. Heute findet ein Radrennen statt, von Seward aus entlang des Highway; bei der Witterung kein Vergnügen. Bis zur Junction nach Soldotna gibt es immer wieder Streckenposten; wo der Zieleinlauf ist, können wir nicht ersehen. Wildlife ist keines zu sehen; die haben sich wohl auch irgendwo verkrochen.

Brown Bear CubIn Portage sehen wir uns noch das Wildlife Refuge an; das war im Preis der Kenai Cruise mit inbegriffen; ansonsten muss man pro Person 5 $ berappen. Hier leben Tiere, die zum Teil verletzt sind und hier eine Art Rentnerdasein führen, oder wieder aufgepeppelt werden. Von Karibou bis Moose, von Elks – die hier gar nicht beheimatet sind, bis Muskox, Brownbear und Bison, einem „einarmigen“ Baldeagle und das war's auch schon. Die Tiere bekommen hier eine Art Gnadenbrot; einerseits schön dass man sich um sie kümmert, andererseits machen sie einen traurigen Eindruck auf die Besucher.

Wir fahren weiter nach Girdwood; die Straße hinter zur Crown Mine ist allerdings so mit Schlaglöchern übersäht, dass wir darauf verzichten. In Girdwood gibt es eine Laundry mit Dusche; die wollen aber pro Load 4 $, die Dusche gibt’s für 6 $ - ne danke, darauf verzichtet Elke dann lieber. Wir fahren weiter bis Anchorage; am Beluga Point gibt es keine Belugas zu sehen und so kehren wir bei Carls Jr. auf einen Six-Dollar-Burger ein. Wir besorgen noch Geschirr bei Walmart, füllen Vorräte bei Safeway (Carrs) auf und gehen in der benachbarten Laundry Wäsche waschen. Elke geht im Restroom Haarewaschen und bekommt vom Manager extra ein Kabel für den Fön; welch ein Service. So ist die Wartezeit gut genutzt und gegen 17.30 h kehren wir Anchorage den Rücken.

Eklutna ChurchIn Eklutna machen wir noch kurz Halt und sehen uns die russisch orthodoxe Kirche von außen an und die direkt daneben liegenden Gräber mit den bunten Spirit Houses. Diese bunten Holzhäuschen sollen der Seele des Verstorbenen so lange ein Heim geben, bis diese es nicht mehr benötigt und den Ort verlässt. Dies alles befindet sich im Hirstorical Park, dessen Office und die Kirche heute bereits geschlossen haben. Für den Eintritt wird eine Spende von 5 $ erbeten.

In Wasilla gibt es einen Walmart und dort wollen wir heute Nacht stehen bleiben. Ein Typ, der die Einkaufswägen zusammenschiebt gibt Auskunft, dass wir eine Nacht stehen bleiben dürfen, Schilder auf dem gesamten Parkplatz erlauben die Nächtigung hingegen nicht. Wir fragen sicherheishalber nochmal im Laden nach und da heißt es auch nein. Bei Sears gegenüber dürfen wir parken; da ist aber keine Menschenseele und uns gefällt es dort nicht. Wir fahren noch ein Stück weiter und finden am Wassilla-Palmer-Highway einen gekiesten Stellplatz wo wir bleiben. Ist zwar auch nicht so toll, aber für eine Nacht sollte das gehen. Morgen früh wollen wir eh zeitig los.

Gelaufen:
Gefahren: 302 km
Übernachtung: Wild bei Palmer

Montag, 14.09.09

Um 7.15 h klingelt uns Andys Wecker raus und wir sehen, dass wir Land gewinnen. Auf dem Wassilla-Palmer-Hwy geht es direkt nach Palmer und Andy späht nach einem Starbucks, aber weder Carrs – der Safeway-Ableger, noch Fred Meyer haben einen Coffeeshop; dafür gibt es unzählige andere kleine Espresso-Läden. Wir wollen noch zum Postoffice, finden es jedoch nicht und fahren jetzt endlich gen Glennallen; die Zeit drängt.

Reflection LakeAuf der Strecke gibt es immer wieder lohnende Fotomotive, weshalb wir auch nicht so schnell vorwärts kommen. Als Elke im Flussbett einen Baldeagle sitzen sieht, halten wir an und dabei entdecken wir keine 10 m vom Parkplatz entfernt einen Goldeneagle. Als ein LKW lautstark an uns vorbeirauscht, ist er allerdings auf Rückzug und Andy kann ihn kaum noch fotografieren. Matanuska GlacierDer Glenn Highway ist landschaftlich absolut klasse. Die Strecke führt entlang des Matanuska-River durch Laubwälder, immer höher die Berge hinauf und bietet tolle Ausblicke auf die schneebedeckten Gipfel ringsum. Der Blick auf den Matanuska Gletscher geht unendlich weit und ist unbeschreiblich. Zum Gletscher selbst gelangt man auf einer private Road und muss dafür 10 $ bezahlen. Wir fahren jedoch weiter, es liegen noch etliche Meilen Fahrtstrecke vor uns.

Glenn HighwaySchließlich gelangen wir auf ein Hochplateau und im Osten sieht man bereits die über 5.000 m hohen Gipfel des Mt. Stenford, Mt. Drum und Mt. Wrangell des Wrangell St. Elias Nationalpark. Gegen Mittag erreichen wir Glennallen, gehen ins Postoffice und tanken nochmal voll. Im Visitorcenter erfahren wir von einer sehr hilfsbereiten Lady, dass die Kennicott Mine nun geschlossen ist und auch sonst im Mc Carthy alles closed for season ist. Wir können dennoch hinter fahren, die Strecke sei machbar und uns selbst umsehen. Sie gibt uns noch einige Prospekte und fragt in Valdez bei einem Kajakvermieter für uns an, ob er noch Touren anbietet. Wir sollen einfach vorbeischauen wenn wir dort sind.

Wrangell Mountains

Wir machen hier Mittag und fahren auf der 4 nach Süden. Beim Wrangell St. Elias Nationalpark Visitorcenter machen wir noch Halt und erkundigen uns auch hier nochmal nach den Roadconditions. Der Ranger bestätigt, das bereits in Glenallen mitgeteilte und gibt noch ein paar Infos. Der Hike von der Mine bis zum Glacier Access beträgt oneway 2 Meilen; das wollen wir auch noch mitnehmen und der Shuttlebus von Mc Carthy nach Kennicott verkehrt auch morgen noch. Eine Strecke werden wir mit dem Shuttle fahren; damit sparen wir uns 5 Meilen. Dann sehen wir uns noch einen sehr schönen Film über den Park an. Der Park wurde erst 1980 gegründet und ist der größte Nationalpark, er ist größer wie die Schweiz unfd hat höhere Gipfel, dafür fast gänzlich unerschlossen.

Copper River

 

Es ist 14.30 h als wir endlich Richtung Chitina aufbrechen und die Strecke zieht sich. Chitina ist eine Ansammlung von ein paar Häuschen, manche schon ziemlich heruntergekommen, aber es hat eine Tankstelle, die zwar als solche nicht zu erkennen ist und ein properes Bed & Breakfast. Wrangell MountainsAb Chitina mit Überquerung des Copper River beginnt die über 40 Meilen lange Gravelroad, mit etlichen Abschnitten Washboard und Schlaglöchern; es ist jedoch nicht so schlimm wie befürchtet und wir kommen ganz gut voran. Auch hier ist die Landschaft wunderschön; Sumpfwiesen und Seen wechseln mit Laub- und Nadelwäldern. Die ehemalige Eisenbahnbrücke über die tiefe Schlucht ist gigantisch; mittlerweile hat man den Boden komplett mit Holz beplankt; noch vor wenigen Jahren konnte man in die Tiefe blicken. Übrigens wurde die Strasse einfach über die alte Bahntrasse gelegt, weshalb auch immer wieder Schwellen und Nägel aus der Fahrbahn raus schauen.

Alte Eisenbahnbrücke nach KennicottAls wir am Long Lake vorbeifahren, erkennt Andy das parkende Auto unserer Nachbarn vom Riley Creek Campground im Denali  NP und hält an. Die beiden angeln hier und haben innerhalb einer guten Stunde 8 kleinere Greylings gefangen. Wir kommen ins Quatschen und die beiden erzählen von ihrem gestrigen Rundflug über den Nationalpark und wie beeindruckend das war. Ein Loone – auch King Fisher genannt, zieht auf dem See seine Kreise und taucht immer mal wieder ab. Wir bekommen die Hälfte des Fischfangs geschenkt, bereits fertig ausgenommen und geputzt; das finden wir mehr als beeindruckend. Wir geben den beiden Weltenbummlern, die erst Ende November wieder in Colorado sein müssen unsere Adresse, die ihrige haben wir schon letztens bekommen und dann geht es für uns auf die letzte Etappe.

Es ist nicht mehr weit und wir parken schließlich gegen 18.30 h das Auto am NP Information Point ein Stück vor der Brücke. Der Fisch wird gebraten, es gibt Gemüse dazu – absolut top. Anschließend entsorgen wir noch den Müll im Container und gehen das Stück an der Straße entlang bis zur Brücke  vor. Es ist empfindlich kalt; selbst mit Handschuhen frösteln wir. Die Nacht wird sicherlich recht frisch. Mit Abspülen und Fotos laden sowie Bericht tippen ist der Abend dann auch schon bald vorbei. Morgen geht es hinter zur Kennicott Mine und zum Root Gletscher.

Gelaufen:
Gefahren: 443 km
Übernachtung: Bei McCarthy, da Saisonende keine Gebühr mehr

Dienstag, 15.09.09

Es ist 7.00 Uhr und eiskalt – auch im Camper hat es gerade mal lausige 8 °C; draußen hat es gefrorern und unter 0. Die Heizung haben wir bisher morgens nie in Betrieb genommen, heute sind wir froh. Nachdem auch der Wasserkessel aufgesetzt ist, wird es langsam erträglich. Bis wir mit Frühstücken, Abspülen, Brotzeit herrichten und Rucksack packen startklar sind, ist es in Null komma Nichts 8.30 h.

Downtown Mc CarthyWir parken das Auto ein Stück weiter vorne am Visitor Information Parkplatz und marschieren über die zwei Footbridges nach Downtown Mc Carthy. Gegen 9.00 h kommt uns bereits das Shuttle nach Kennicott entgegen und wir bitten, uns nachher mitzunehmen. Wir werden nach Downtown geschickt und sollen beim Office von Wrangell Mountain Air warten. Das Museum von Kennicott hat bereits geschlossen und die übrigen Läden haben heute ihren letzten Tag, bevor auch diese wegen Saisonende schließen. Da gibt es zwei Anbieter für Rundflüge, einen Tourguide-Laden, der Gletschertouren anbietet, den Golden Saloon, ein Bed & Breakfast sowie den Mercantile – auch schon geschlossen. Gestern war die end of season party im Golden Saloon und es wurde gefeiert, bis das Bier aus war und anschließend gab's noch ein Feuerwerk. Das macht jedes Restaurant hier; heute ist das Potato dran. Wir haben nicht mehr viel Zeit, uns in MC Carthy umzusehen, da unser Shuttle bereits anrollt. Wir kaufen noch schnell die Tickets (5 $ pro Person und Strecke) und Elke nimmt noch ein T-Shirt mit.

Dann kann's auch schon losgehen, wir sind die einzigen Gäste und froh, uns die 5 Meilen bis nach Kennicott Fußmarsch zu sparen. 20 Minuten später haben wir die Schlaglochstrecke überstanden und sehen uns erst mal die alten Minengebäude von außen an; Hier wird vom Nationalparkservice restauriert und instandgehalten was möglich ist; einige Gebäude erstrahlen im neuen Glanz; es gibt hier unendlich viel zu tun.

Trail Ende Root GlacierDie ersten Fotos im Morgenlicht sind nicht ganz so toll; wir laufen jetzt erst mal den Root Glacier Trail. Der Weg ist ohne nennenswerte Steigung, so dass wir gut vorankommen und schließlich doch bis zum Ende des Trails gehen, weil man von dort den besten Ausblick auf den Mount Blackburn hat, von dem der Root Glacier „entspringt“. Wir sind gegen 12.30 h am End of Trail und hier sind auch die Überreste der Erie Mine. Alte Schuhe, gewebte Stoffreste, Eisenschrott … es liegt hier viel verstreut. Die Sonne scheint mittlerweile ganz angenehm, aber der Wind, der vom Gletscher kommt ist sehr kühl, so dass wir nicht allzu lange Pause machen. Es geht denselben Weg wieder zurück; immer mit Ausschau nach Bären. Bären-AA hat es massig auf diesem Trail; wir begegnen aber den ganzen Tag keinem.

Root GlacierAls wir gegen 15.00 h am Abzweig zum Glacier Access ankommen, nehmen wir auch noch diesen Abzweig und steigen ein Stück hinab. Man kann auch aufs Eis gehen und das ist nicht mal so rutschig, wie man vielleicht vermutet. Auf der Eisoberfläche liegt jede Menge kleister Kiesel und Sand, so dass man ganz gut Halt findet. Ein Gletschertor gibt es hier allerdings nicht; dafür bekommt man einen Eindblick, wie dick hier die Eisdecke ist. Das unterirdisch zusammenlaufende Schmelzwasser stürzt in einem Wasserfall in die Tiefe. Auch hier ist es wie im Kühlschrank, obwohl die Sonne scheint. Kennecott MineNach ein paar Bildern geht es zurück nach Kennicott, wo wir nochmal ein wenig umherstreunen und Fotos machen. Elke steigt schließlich noch zum größten Gebäude den Hang hinauf; die Fotos von hier oben sind allerdings nicht so berauschend. Andy bleibt lieber unten. Elke sucht sich einen anderen Weg nach unten und geht auf einem Trampelpfad hinter der Mine entlang; irgendwann mündet der Weg in den Creek und dort geht es ein Stück bis zum Wasserfall. Auf der anderen Seite geht es wieder bergauf und jetzt drängt langsam die Zeit. Elke sucht sich einen etwas kriminellen Abstieg, kommt dann aber ganz gut runter, überquert den Creek und landet schließlich ein Stück weiter vorne als beim Aufstieg an der Brücke. Andy wartet noch an der selben Stelle – uff, geschafft.

Kennecott

Wir haben noch ein paar Minuten zum Ausruhen und eine kleine Stärkung, dann ist das letzte Shuttle der Saison 2009 auch schon da und wir fahren zurück nach MC Carthy, wo wir an der Footbridge abgeladen werden. Unser Auto steht immer noch in der Sonne und ist mal so richtig durchgelüftet. Wir fahren das kurze Stück zurück zu unserem gestrigen Stellplatz und Elke macht sich ans Kochen. Andy lädt Bilder und ermittelt, dass wir heute 20 km gelaufen sind. Später machen wir noch ein Feuer mit dem Holz, dass wir auf dem Stellplatz gesammelt haben und gegen 23.00 h geht der heutige Tag zu Ende.

Campfire

Gelaufen: 20 km, Root Glacier Trail
Gefahren:
Übernachtung: Bei McCarthy, da Saisonende keine Gebühr mehr

Mittwoch, 16.09.09

Um 7.00 h werden wir von Andys Wecker geweckt und packen zusammen. Wie in Mc Carthy so ziemlich alles in Aufbruchstimmung ist, weil der Winter naht und die Saison beendet, verlassen auch wir den Wrangell St. Elias NP heute. Übrigens ist ab heute sehr viel geschlossen, der Denali, viele Übernachtungsmöglichkeiten, Tankstellen, Shops, usw. ab heute ist Winter im Norden und viele machen Ihre Häuser winterfest und fahren zum überwintern nach Hawaii oder in den Süden.

Long Lake ReflectionsEs geht bis zum Long Lake, wo wir noch einen Stopp einlegen, die Angel auspacken und unser Glück als Petrijünger versuchen. Leider will in der kommenden Stunde so gar nichts anbeißen; auch lässt sich kein Fisch sehen. Wir packen wieder zusammen und fahren ein Stück weiter. An einem anderen See, der idyllisch von Nadelbäumen eingezäunt ist, probieren wir es nochmal und auch da will so wirklich nichts beißen. Andy beim fischenTiere sind auch so gut wie gar keine unterwegs; sollte es hier doch jede Menge Bären geben. Heute ist kaum Verkehr und wir kommen gut voran. Am Silver Lake probieren wir es ein letztes Mal und da passiert dann Andy das Malheur. Fische springen munter im Wasser und dann verhakt sich der Angelhaken an einem unter Wasser liegenden Geäst und als Andy etwas fester an der Angel zieht, bricht diese genau im oberen Aufsatzstück ab. So ein Mist; da hat dieses Ding ein Heidengeld gekostet und dann so was. Dass dies nicht an Andy's Zug lag, sondern ein Materialfehler ist, ist eindeutig. So was darf nicht passieren. Somit hängen wir unser Angelequipment im wahrsten Sinne des Wortes an den Haken und machen erst mal Mittag (ohne Fisch).

Fishwheels am Copper RiverEs ist bereits nach 13.00 h und wir haben noch ein nettes Tagespensum an Meilen vor uns. Am Copper River sehen wir uns noch die Fishwheels an; eine Konstruktion mit einem Fangkorb, der sich wie ein Wasserrad im Fluss dreht und für die Lachse gedacht ist. So braucht der clevere Indianer nur am Abend mal nach dem Tagesfang ausschauh halten und kann sich derweilen anderen Tätigkeiten widmen. Wir entdecken Bärenspuren im weichen Sand und jede Menge Fischreste; ob dies von den Bären stammt oder dem Fischwheel können wir nicht herausfinden. Dafür sehen wir am Ufer auch noch einen Goldeneagle, der ebenfalls wohl auf Futtersuche ist.

Keystone CanyonAuf zur letzten Etappe über Chitina und Edgerton zum Richardson Highway und ab nach Süden nach Valdez. Irgendwann rückt die Pipeline, die von der Prudhoe Bay nach Valdez führt, ins Blickfeld, verschwindet dann aber auch gleich wieder. Hier verläuft die „Ölautobahn“ größtenteils unterirdisch. Die letzten 30 Meilen vor Valdez geht es in die Berge bis 1.000 m hinauf zum Thompson Pass und dem Worthington Glacier. Die Landschaft ändert sich schlagartig; karge Berggipfel und Alpine Tundra und auch das Wetter wird vor dem Pass schon wieder schlechter. Es geht wieder bergab und gegen 17.00 h erreichen wir Valdez. Tiefe Wolken ziehen durch das Tal und schmiegen sich an die hohen Berge mit den Gletschern; es ist eine mystische Stimmung. ValdezDie City haben wir ziemlich schnell gesehen; außer dem Hafen und ein paar Shops und dem einzigen großen Supermarkt gibt es hier nicht viel. Im Hafenbecken tummeln sich Mengen an Lachsen und es gibt keinen Public Campground wie in Homer. Wir suchen uns einen eigenen Platz und fahren zur ehemaligen Town of Valdez, die 1964 nach dem Erdbeben umgesiedelt wurde, weil der Wasserspiegel anstieg und die Stadt überflutete. Wir stehen allein am ehemaligen alten Hafen mit Blick auf die Bucht und einen Tümpel, in dem ein Fisch reiert, nein es war anders rum, ein Reiher hat gefischt. Es regnet und wir haben nicht mehr allzu viel Lust, raus zu gehen. Es gibt noch Abendessen und wir stöbern ein wenig in unseren vielen Prospekten.

Gelaufen:
Gefahren: 306 km
Übernachtung: Valdez, Old Townsite

Donnerstag, 17.09.09

In der Nacht hat es mehrmals heftig geregnet und wieder einmal sind wir froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Frühstück, Abwasch – das übliche Procedere und dann geht es zum Tanken und Dumpen an die Tesoro Tankstelle. Wir füllen Frischwasser nach und es geht zurück. Die Wolkenstimmung über Valdez ist heute genauso eindrucksvoll wie gestern Abend und es kommt ab und zu die Sonne durch; der Wetterbericht für den Rest der Woche verheißt jedoch täglich „likely Rain“.

Valdez

Valdez

Wir queren den Thompson Pass und halten für ein erstes Foto. Der Wind ist eisig kalt, Elke entdeckt Blueberries und Andy zieht es zurück ins Auto. Nächster Halt ist am Worthington Gletscher; wir gehen ein Stück weiter, als der Aussichtspunkt und machen auch dort ein paar Bilder. Jetzt kommt die Sonne raus und die Strecke bis nach Copper Center ist landschaftlich ein Traum; die Bäume leuchten in den schönsten Herbstfarben und die Berge im Hintergrund mit den bunten Hängen in braun und rot sind ein Genuß.

Wrangell MountainsMittlerweile ist es 13.00 h und Zeit für die Mittagspause, die wir am Aussichtspunkt auf Mt. Sanford, Mt. Wrangell und Mt. Drum einnehmen. Die Berggipfel sind heute jedoch alle in Wolken gehüllt und es geht ein heftiger Wind. Vor zwei Tagen noch, hatten wir hier beste Sicht. Den Abstecher nach Copper Center nehmen wir mit; ist kein Umweg  und wir sehen ein paar alte Cabins. Alles in allem aber nicht unbedingt ein Must See. Beim Wrangell St. Elias Visitor Center machen wir auch nochmal Halt um uns nach der Nabesna Road zu erkundigen. Wie wir erfahren, ist die Rangerstation dort noch geöffnet und wir bekommen noch zwei Hiking Tipps.

Nabesna RoadJetzt aber nichts wie los, in Glenallen noch getankt und die 85 Meilen bis Slana ziehen sich ganz schön. Wir schauen auch in Slana noch kurz in die Rangerstation und nehmen die 46 Meilen bis ganz hinter unter die Räder. Die Gravelroad ist gut zu fahren und wir halten immer mal für ein Foto hier und da. Elke entdeckt dabei aus dem Auto Blueberries und muss noch ein paar pflücken. Nach 18.00 h sind wir dann bei Meile 41 angelangt und stellen das Auto an einem Seitenstich der Straße ab; eine Feuerstelle ist bereits vorhanden. Da zur Zeit viele Jäger unterwegs sind, sind auch die Campsites größtenteils belegt. Wir sammeln Feuerholz, Elke begibt sich in die Kombüse und nachdem wir gegessen haben, gibt es noch ein Campfire. Andy holt die Stühle raus und es ist richtig schön angenehm am Feuer. Wir müssen zwar ständig nachlegen, da die dünnen Äste schnell herunterbrennen. Gegen 23.00 h geht es in die Koje. Morgen wollen wir hier noch ein wenig wandern und dann weiter nach Tok.

Campfire

Gelaufen:
Gefahren: 386 km
Übernachtung: Wild an der Nabesna Road

Freitag, 18.09.09

Kurz vor 8.00 h beginnt unser heutiger Tag. Es ist kalt; das Thermometer im Camper zeigt gerade mal 9 °C. Heizung an; Wasser aufgesetzt und in kurzer Zeit fühlt es sich schon besser an. Kurz vor 9.00 h ist alles sicher verstaut und wir schaukeln auf der schlechten Gravel erst mal in die falsche Richtung, merken es rasch und drehen nochmal um. Wir müssen bis zum Schild „Road closed“ bzw. zum Airstrip und dem B&B der Ellis Familiy. Kurz danach parken wir den Camper in einer Bucht rechts neben der Straße und laufen zur Rambler Mine.

Rambler MineDie Straße wird nun matschig und wir sind nicht ganz sicher, ob wir hier richtig sind, da es keine Wegweiser oder Beschilderung gibt. Dann steht rechts am Wegesrand ein großer Cairn und ein Weg führt durch einen grünen Tunnel aus Willow und Alder den Hang hinauf. Wir kommen bald ins schwitzen, da es doch stetig bergan geht; haben aber nach ca. 20 Minuten das Ende des Trails erreicht. Auf einer Hütte steht zwar groß „no trespassing“, kurz davor ist aber ein Wegmarker des Nationalpark Service. Wir rufen vorsichtshalber mal laut „Hallo“, bevor man mit der Knarre auf uns zielt. Es kommt keine Antwort und es sieht auch alles verlassen aus. Wir gehen an den drei Hütten vorbei und sehen die Überreste einer Mine sowie einen Stolleneingang. Allzu viel gibt es hier allerdings nicht zu sehen, weshalb wir uns auch nicht lange aufhalten.

NabesnaNach einer weiteren halben Stunde sind wir zurück am Auto und sehen gerade, wie eine kleine Propellermaschine startet. Sie braucht nicht viel Anlauf und steigt auch gleich in die Höhe; dreht eine Schleife und fliegt gen Süden. Wir lesen nochmal die Wegbeschreibung zur Mine und sind nun fast sicher, dass wir die richtige gefunden haben. Soeben wird die Post gebracht; fast unglaublich, so weit draußen. Wir fahren nun bis zum Trailhead zum Skookum Volcano und als wir gerade den Rucksack packen, fährt gerade das Paar aus Montrose mit ihrem Camper vor. Wir wechseln ein paar Worte, bedadnken uns nochmal für die köstlichen Greylings und erfahren, dass sie am selben Tag noch an einem anderen See zwei Regenbogenforellen gefangen haben und dass sie einen Plattfuß hatten und auch sonst noch was zu reparieren war. Schon witzig, dass wir fast die selbe Route abfahren und uns nun schon zum dritten Mal begegnet sind.

Ausblick vom TrailWir verabschieden uns und machen uns auf den Weg; so weit wir eben kommen, ganz hoch wollen wir eigentlich nicht. Die erste Strecke geht durch Wald und dann stetig bergan durch Alder. Andy geht es heute nicht so gut und er muss sich heute richtig quälen. Es ist mittlerweile 11.30 h und es gibt einen kleinen Snack und was zu trinken. Nach gut einer Meile geht es am Bachufer steil nach oben; es ist ungut zu laufen, weil wir ständig den Bach queren müssen und teilweise über lose Steine laufen. Dall SchafeWir wollen eigentlich nicht so recht, gehen dann aber doch weiter. Als wir dann die Alpine Tundra erreicht haben und der Pass nicht mehr weit entfernt ist, überwinden wir uns doch und gehen auch noch das letzte Stück, damit sich die Tour wenigstens lohnt. Wir sehen Dall Schafe und das Gestein  hier oben, das vulkanischer Abstammung ist, ist schon interessant. Schließlich erreichen wir den Pass, essen eine Kleinigkeit und machen uns auf den Rückweg. Hinunter geht es schneller, wenn auch jeder Schritt gut gewählt sein muss. Wir können noch ein Groundsquirrel und zwei Pikas fotografieren.

Ground Squirrel Pika - Pfeihase Hörnchen

Um Punkt 15.00 h sind wir zurück am Auto und ziemlich erledigt. Wir sind immerhin fast 800 Höhenmeter aufgestiegen und oben war es eisig kalt. Wir nehmen noch eine kleine Stärkung und dann geht es mit einem kurzen Stopp zum Heidelbeerenpflücken direkt nach Tok, wo wir um 17.30 h eintreffen. Im Three Bears holen wir noch Hackfleisch für Burger, die wir grillen wollen. Noch schnell ein paar Karten in den Briefkasten beim Postoffice, Tanken und Dumpen und dann zum Campground am Tok River, wo wir bereits vor 3 Wochen schon mal übernachtet haben. Andy zündet die Grillkohlen und Elke verschwindet in der Kombüse; gegessen wir heute im Camper, da es nieselt. Wir werden zwar von unseren Campnachbarn eingeladen, doch in der Shelter zu essen, doch das ist uns auch zu ungemütlich. Gegen 10.00 h geht der heutige Tag zu Ende.

Gelaufen: Gesamt 7,8 Meilen (3,2 Meilen Rambler Mine und 4,6 Meilen zum Skookum Volcano)
Gefahren: 182 km
Übernachtung: Tok River Campground

Samstag, 19.09.09

Um 7.00 h beginnt unser heutiger Tag. Es regnet, ist stark bewölkt und wirkt so gar nicht freundlich. Um kurz vor 8.00 h sind wir on the road und heute heißt es Meilen machen. Nachdem wir Tok hinter uns lassen passiert auch nicht viel; als uns die ersten drei Autos überholen sind wir so gut wie allein auf der Straße. Dass heute Samstag ist, ist auch nicht zu merken – keine Betriebsamkeit, weder von Menschen noch von Tieren. Auf der gesamten Strecke kein Wild zu sehen; einzig zwei schnelle Hörnchen, die mal eben über die Straße rennen (Dann heißt es im Cockpit immer Hörnchenalarm).

Alaska HighwayDie Strecke bis zur Kanadischen Grenze zieht sich und außer, dass hin und wieder ein See ins Blickfeld kommt, tut sich so gut wie nichts. Als der Kluane (gesprochen Klo-wa-nee) Nationalpark – der kanadische Teil des Wrangell St. Elias NP, wie er in Alaska heißt, wird es landschaftlich interessant. Hohe schneebedeckte Berge und schließlich und endlich der Kluane Lake. Das Wetter wird besser, die Sonne kommt raus und bringt das Herbstlaub zum leuchten. Wir machen das ein oder andere Photo. Achja, Mittagspause an einem See mit etlichen Schwänen, an dem im Juni etliche Zugvögel zu sehen sind; jetzt ist da so gut wie nichts los mit Federvieh.

Haines JunctionGegen 16.00 h erreichen wir Haines Junction und gehen erst mal ins Visitor Center. Wir sehen uns den 15 Minuten Film über den Kluane Nationalpark an, anschließend noch die Ausstellung und erkundigen uns nach Wanderungen und Campgrounds. Da wir hier allein sind und Elke vorhin im Restroom Stromanschluss und Warmwasser entdeckt hat, geht sie noch schnell Haarewaschen. Wir tanken bei Fas Gas, dumpen unser Greywater und füllen Frischwasser auf. Mittlerweile ist es 17.00 h, nach kanadischer Zeit eigentlich eine Stunde später, aber das Uhrumstellen lohnt sich nicht, da wir morgen Abend in Haines wieder umstellen müssten.

Wir fahren noch ein Stück zum Kathleen Lake Campground. Die haben zwar schöne Sites, die mit Seeblick sind allerdings schon belegt. Hier kostet die Nacht 15,70 $ und fürs Feuerholz nochmal 8,80 $. Wir machen noch ein Bild vom Lake und fahren noch ein Stück weiter zum Dezadeash (gesprochen Dez-dee-ash) Campground. Der liegt direkt am See und hat ebenso schöne Sites; 12 $ inkl. Feuerholz so viel man verfeuern will. Wir sind mit noch einem weiteren Camper die einzigen zwei Gäste. Andy wird von einer Lady nach einem Kugelschreiber gefragt und gibt uns den Tipp, wir sollen unbedingt in Klukshuh Halt machen und uns die Fishwheels und Fischräucherein ansehen. Zwischen Juni und September treffen sich hier die First Nations Familien und angeln und verarbeiten Lachs.

Dezadeash LakeAndy hackt Holz fürs Campfire, Elke verschwindet in der Kombüse. Eine halbe Stunde später gibt es überbackene Burritos mit Salat. Andy wärmt sich auf, es weht ein heftiger kalter Wind, der die Funken vom Campfire in alle Richtungen bläst. Gegen halb neun ist es bereits dunkel, die ersten Sterne kommen raus. Als wir die Heizung anwerfen geht diese nach kurzer Zeit aus; die Gasflasche ist leer und wir müssen umswitchen. Kein Problem, wir haben noch eine volle Flasche. Wir machen noch Pläne für morgen und gegen 22.00 h AK-Time geht es in die Schlaftüten.

Nightsky

Gelaufen:
Gefahren: 520 km
Übernachtung: Dezadeash Campground

Sonntag, 20.09.09

Erst gegen 8.00 h stehen wir auf. Der Wind hat nachgelassen, die Wolken aber nicht vertreiben können und so ist es heute morgen düster und sieht stark nach Regen aus. Wir packen zusammen und starten noch vor 9.00 h das kurze Stück bis zum Trailhead Elias Lake. Mit leichtem Gepäck, d.h. Wasser und ein paar Snacks sowie Kameras und Stativ bewaffnet geht es in den Wald. Elias LakeIn den ersten Abschnitten geht es immer mal satt bergauf, dann aber auch wieder hinunter – deshalb sagt die Trailbeschreibung auch nur eine Steigung von ca. 140 Höhenmeter. Der Wald ist toll; nichts aufgeräumt; das was verrottet wird von Moos und anderen Pflanzen besiedelt. Wir haben Augen und Ohren auf Tiere ausgrichtet, aber wir sehen den ganzen Trail kein Einziges. Die 4 km haben wir in einer Stunde geschafft und den Lake erreicht. Ein schönes Fleckchen Erde hier; es gibt auch einen Zeltplatz, eine Feuerstelle mit Brennholz und eine Metallstange, an der man Gepäck bärensicher aufhängen kann. Wir machen ein paar Bilder und es beginnt zu regnen, so dass wir den Rückweg auch schon angehen.

Klukshu VillageUm 11.00 h sind wir zurück am Parkplatz; der Sonntagmorgenspaziergang war toll. Nächster Halt ist Klukshu, ein Native Village, in dem von Juni bis September Familien zusammenkommen um Lachs zu angeln und zu räuchern. Das Dorf ist nun closed for season, obwohl es noch jede Menge Sockeye im Klukshu Creek hat. Wir sehen uns in dem verlassenen Ort um und fahren weiter bis zu den Million Dollar Falls. Million Dollar FallsNach Überquerung des Takehanne River geht es rechts in den Campground, wo sich der Trailhead zum Wasserfall befindet. Vom Parkplatz aus ist es ein kurzes Stück zu Fuß. Auf einer Treppe geht es ein Stück hinunter, wo sich der Takehanne River durch die Felsen zwängt und ein Stück in die Tiefe stürzt. Es regnet nach wie vor und somit bleiben wir auch hier nur für ein paar Fotos und nicht allzu lange.

Passhöhe im NebelEs geht weiter  Richtung Haines und auf dem Highway geht es nun in die Berge hinauf. Kurz vor dem Pass machen wir mittag; es hat unglaublich starken Wind und selbst im Windschatten einer Halle der Road Maintenance schaukelt unser Aufbau ganz schön. Wir werfen kurz die Heizung an und machen gemütlich Mittagspause. Gegen 14.00 h geht es dann endgültig auf zur letzten Etappe; wir müssen aus Canada aus- und in die USA erneut einreisen. Die Canadian Border will gar nichts von uns; die USA dagegen Passkontrolle und wir müssen ein paar Fragen beantworten.

Am Chilkat-River entlang geht es dann gegen Haines; die Bald-Eagle Preserve kann heute mit keinen Adlern aufwarten; dagegen arbeiten die Fishwheels und haben ab und an mal einen Lachs im Fangkorb. Gegen 15.30 h treffen wir in Haines ein und fahren erst mal nach Downtown. HainesEin paar Läden, die meisten geschlossen und wir nehmen in einem Deli noch ein paar Kekse mit. Das Visitorcenter hat geschlossen und auch die non-profit Native Arts Werkstatt ist dicht. Wir fahren noch durch Fort Seward und suchen dann den Hafen, von wo aus die Fähre nach Skagway geht. Diese befindet sich außerhalb des Ortes und auch da ist alles zu. Lediglich  ein Fahrplan hängt aus und der besagt, dass es morgen zwei Verbindungen nach Skagway gibt; eine um 8.45 und eine weitere 2 Stunden später. Um 6.15 h öffnet das Fährterminal und wir haben keine große Lust, um diese Zeit schon hier zu sein. Wir sind uns nicht sicher, ob wir morgen dann überhaupt auf die Fähre kommen, da wir kein Ticket haben. Wir fahren nochmal zurück in den Ort und wollen in der Bücherei sehen, ob wir das Internet nutzen können. Als wir ankommen, hat die Bücherei soeben ihre Türe für heute geschlossen. Wir versuchen, mit unserem Laptop eine Verbindung zu bekommen, die meisten, die es hier im Ort gibt, sind jedoch gesperrt. So nehmen wir von AT&P eine Stunde für 3 $; man muss sich nur einen Account einrichten und die Gebühr wird der Kreditkarte belastet. Andy sucht sich die Homepage der Fährgesellschaft und erst beim zweiten Anlauf hat er die richtige gefunden. Das Anlegen eines Accounts, um hier buchen zu können, ist ziemlich umfangreich und kompliziert, doch mit viel Geduld schaffen wir es,  für morgen eine Buchung zu tätigen. Die einzige Verbindung ist um 10.45 h; nach gottlob.

Braun Bären beim LachsfangNun aber los zum Campground, es ist bereits 18.00 h. Wir fahren wieder Richtung Fährterminal und darüber hinaus in die Bucht hinter; bevor es über den Chilkoot-River geht, biegen wir links ab. Im Fluss sind wahnsinnig viele Möwen, die sich über die Lachse hermachen. Als sich Elke nochmal umdreht, sieht sie Bären am anderen Ufer und Andy dreht nochmal um. Wir können 4 Grizzlys aus nächster  aber sicherer Entfernung beobachten, wie sie fischen gehen. Es regnet immer noch stark, weshalb das Fotografieren nicht gar so viel Spaß macht; außerdem ist das Licht nun ziemlich schlecht. Vielleicht haben wir ja morgen früh nochmal Glück. Wir müssen noch ein Stück am Fluss entlang bis zum Chilkoot-Lake. Der Campground liegt idyllisch im Wald mit Seezugang und wir haben im Nu einen Platz gefunden. Den Rest des Abends verbringen wir im Camper. Es gibt noch Abendessen, Andy duscht ein letztes Mal und bis wir die Bilder gespeichert und sonstige Arbeiten erledigt haben, ist es auch schon Zeit zum schlafen.

Chilkat Lake

Gelaufen: 10 km Elias Lake
Gefahren: 234 km
Übernachtung: Chilkat Lake Campground, Haines

Montag, 21.09.09

Um 7.00 h stehen wir auf und sehen zu, dass wir so schnell wie möglich unser Morgenprogramm abspulen. Wir fahren eh am Chilkoot-River vorbei und halten Ausschau nach Bären; leider ist um diese Stunde keiner unterwegs. Dafür tummeln sich jede Menge Möwen und andere Vögel, die sich an den Lachsen satt fressen. Bald EagleWir fahren noch das kurze Stück über die Brücke bis zum „Dead End“ und hier sieht man jede Menge Eagles und Bald Eagles fliegen. Es steht bereits ein Auto mit zwei Männern dort und einer spricht uns an; ein vor über 50 Jahren ausgewanderter Schleswig Holsteiner, der u.a. einen Bildband über die in Canada und Alaska lebenden Natives herausgebracht hat. Er lässt uns ein Exemplar ansehen und möchte uns dies für 50 $ verkaufen; regulär kostet es 69. Es ist ein ausgesprochene schönes Buch, die Bilder sind auch toll, aber auf die Schnelle wollen wir uns auch nicht überreden lassen. Zu beziehen ist das Werk auch über einen deutschen Verlag, der seiner Schwester gehört. Wir quatschen noch ein wenig und dann müssen wir los zum Ferry Terminal. Dieses Fleckchen Erde am Ende des Fjords ist absolut toll; schade dass das Wetter auch heute nicht so recht will und wir weiter ziehen.

Wasserfall während der ÜberfahrtWir parken den Camper und holen unsere Tickets. Als wir wieder ans Auto kommen, ist bereits das Gas abgedreht und ein roter Aufkleber angebracht worden. Wir warten noch eine gute halbe Stunde, Elke schreibt die letzten Karten und dann dürfen wir boarden. Mit uns fahren etliche andere Camper von Fraserway aufs Schiff. Ob die wohl auch alle am Donnerstag zurückfliegen? Die Zeit bis zur Abfahrt zieht sich; wir nehmen Platz im oberen Deck und haben ein Platz in der ersten Reihe. Pünktlich um 10.45 h legen wir ab und fahren im Lynn Channel in einer Stunde nach Skagway. An uns vorbei ziehen hohe Felswände mit einigen Wasserfällen.

SkagwayNach 12.00 h fahren wir in Skagway von der Fähre und suchen uns einen Parkplatz in einer Seitenstraße. Wir machen auch gleich Mittag und dann geht es nach Downtown. Die Häuser sind alle tip top; ein schönes Stadtbild, das sich einem bietet. Nicht zuletzt, weil hier in der Hochsaison im Sommer bis zu 8 Kreuzfahrtschiffe und Fähren pro Tag anlegen und den Passagieren, die hier von Bord gehen, ja etwas geboten werden muss. Ein Juwelier reiht sich an den nächsten; dazwischen Geschäfte die Pelzmäntel und -jacken verkaufen und Kunstgewerbe in allen Variationen. Es gibt natürlich auch jede Menge Souvenirläden, die alle end of season-sale haben und man bekommt die üblichen T-Shirts zum halben Preis. Wir bummeln ein wenig durch die Läden, gehen die Main Street einmal rauf und wieder runter, sehen uns im Nationalpark Visitorcenter einen Film über den Goldrush und an und erkundigen uns schließlich in der Visitor Information nach einem Public Campground. Vorher geht es noch an einem RV Park zum dumpen für 5 $; die Tankstellen hier im Ort bieten diesen Service nicht. Nachdem wir auch das Frischwasser am Hafen nach Rückfrage beim Harbourmaster auffüllen durften, besorgen wir noch im Supermarkt Getränke und fahren Richtung Dyea (gesproche Dajee).

Braun Bär beim LachsfangAm Kayia-River sichten wir Robben, die wollen sich aber nicht fotografieren lassen. Kaum hat man das Tier im Sucher, taucht es auch schon wieder ab. Als wir in den Campground einbiegen, sichtet Andy auf der gegenüberliegenden Seite des Kayia-River einen Grizzly und dieser muss fotografiert werden. Der Grizzly verschwindet in die entgegengesetzte Richtung, weshalb wir nochmal kehrt machen und unser Glück dort versuchen. Klappt aber leider nicht, dafür treffen wir den deutsch-kanadischen Fotografen wieder, der mehr Glück mit einem Bild hatte. Jetzt geht’s aber endlich zum Campground, der zu dieser Jahreszeit „for free“ ist. Wir suchen uns ein Plätzchen und Andy zündet schon mal die Grillkohlen an. Während Elke sich ums Feuer und die Beilagen fürs Abendessen kümmert, zieht Andy nochmal mit der Kamera los. Gefühlte Stunden später, die Kohlen sind mittlerweile schon längst bereit fürs Grillen, taucht Andy wieder auf und berichtet von einer Bärensichtung am Fluss. Die gegrillten Angus-Spieße sind lecker. Später gibt es noch ein Campfire mit dem letzten Holz und da es zu regnen beginnt, bleiben wir nicht allzu lange draußen sitzen.

Gelaufen:
Gefahren: 36 km
Übernachtung: Dyea Campground

Dienstag, 22.09.09

Die Nacht war mehr als kurz und Elke hat kaum ein Auge zugemacht. Der Regen prasselte die ganze Nacht aufs Camperdach; das Wasser von den Bäumen trommelte dagegen an. Irgendwann mussten alle Luken dicht gemacht werden, damit es nicht hereinregnet. Um halb acht stehen wir auf, frühstücken und gehen an den Fluss. Braun BärSchon auf dem Hinweg entdeckt Andy einen Grizzly, der durch den Wald marschiert. Er entdeckt auch uns sofort, hält sich aber in Reichweite auf und wir können fotografieren. Wir geben ihm Raum, damit er den Weg überquert, was er dann auch macht. Andy folgt ihm noch ein Stück, doch als der Boden auf Kies wechselt, wird es dem Tier zu viel und es verschwindet rasch im Dickicht. Wir gehen noch zur Kiesbank im Fluss, wo Andy gestern noch ein Exemplar gesichtet hat; doch da liegen nur die Überreste der morgendlichen Fischmahlzeit; die scheint gerade erst stattgefunden zu haben, da sich noch keine Vögel über die Reste hermachen.

Chilkoot TrailWir packen zusammen und fahren zum Slide Cemetry; der glücklosen Goldsucher, die bei einem Lawinenabgang am 3. April anno 1898 auf dem Chilkoot-Trail ihr Leben ließen. Der Friedhof liegt tief im Wald und die zum Teil gut erhaltenen Holztafeln enthalten Name und Herkunft des Verunglückten. Wir fahren noch nach Dyea, dem damaligen Ausgangspunkt für den Chilkoot-Trail. Von der zu Spitzenzeiten bis zu 8.000 Einwohner zählenden Siedlung ist heute kaum noch etwas übrig. Ein paar Geschichtstafeln erläutern Details; so richtig vorstellen kann man sich aber nichts, da mittlerweile auch hier ein dichter Wald gewachsen ist. DyeaEin paar vor sich hin rottende Bretterhaufen helfen da auch nicht weiter. Als wir das Areal von Dyea betreten und Elke gerade einen Fliegenpilz ins Fotovisier nimmt, zischt Andy vor sich hin, weil ein Grizzly soeben einen Tümpel durchquert und keine 10 m vor uns in den Wald verschwindet. Das war knapp ….. Wir laufen ein wenig mit dem Selfguide-Blättchen auf den Waldwegen. In der Nähe scheint eine Farm mit Sled-Dogs zu sein; deren Gebell wir gestern schon von weitem gehört haben.

Bald Eagle PaarDurch den mit Moos behangenen Wald, der wie verwunschen aussieht, geht es zurück zum Kayia-River, wo wir noch einmal einen Fotostopp für die Seehund- und Adler-Beobachtung einlegen. Es dauert nicht lange, und da taucht auch der nordfriesisch-kanadische Fotograf wieder auf. Er berichtet, dass in Skagway nun zwei Kreuzfahrtschiffe angelegt haben und die Stadt mit Besuchern überquillt. Wenig später erleben wir es selbst, da wir nochmal tanken müssen. Ein Gewusel zieht durch die Mainstreet und wir sind froh, das alles gestern mit weit weniger Menschen gesehen zu haben.

Weg
 ins Grau - WhitepassEs geht hinauf zum Whitepass, wo wir kurz vor Grenze mittag machen und dann in eine dichte Wolkensuppe eintauchen, die uns erst mal gar keinen Ausblick gewährt. Erst nachdem wir den höchsten Punkt von 1.020 m überwunden haben und es ein wenig bergab geht, sieht man eine tolle Hochgebirgslandschaften mit vielen kleinen Seen und begrünten Felsen; die Landschaft hat entfernte Ähnlichkeit mit Norwegen. Als wir die kanadische Grenze passieren, reißt die Wolkendecke auf, die Sonne kommt heraus und wir werden mit einem herrlichen, frisch verschneiten Bergpanorama empfangen.

White Pass

Die Strecke bis Carcross ist herrlich zu fahren und entlang des Highway gibt es den ein oder anderen lohnenden Fotostopp. Gegen 16.00 h sind wir in Carcross, einem kleinen verschlafenen Nest, das außer dem Visitorcenter und der Eisenbahnlinie, die hier durchkommt, kaum etwas zu bieten hat. Wir holen uns ein paar Infos, gehen einmal durch den Ort und können laut Beschreibung auch die jeweiligen alten Bauten zuordnen, welche Bedeutung sie einmal hatten.

Carcross CampgroundWir fahren auf den Government Campground direkt beim Airstrip und sind hier wohl die einzigen. Es gibt Holz zum verfeuern, das aber kaum brennt, da es noch zu feucht ist und auch sonst haben wir direkten Lärm vom Highway und es gefällt uns hier nicht so wirklich. Elke räumt schon mal ein wenig im Camper herum, sortiert Prospekte aus und packt die Küchenutensilien wieder dahin, wo sie ganz zu Anfang waren. Als das Campfire endlich mal nicht nur raucht sondern zu brennen beginnt, entscheiden wir uns dann doch noch für einen Umzug. Wir löschen das Feuer und fahren noch ein Stück bis zum Emerald Lake. Dort gibt es einen Zugang zum See, etwas von der Straße abgewandt im Wald und kein Schild mit „no overnight parking“ oder „private property“. Wir parken das Auto halbwegs eben, schieben die letzte Pizza in den Ofen und sehen uns noch zwei Dokus über Alaska an, die Andy vor längerem aufgenommen hat.

Gelaufen:
Gefahren: 237 km
Übernachtung: Wild am Emerald Lake

Mittwoch, 23.09.09

Emerald LakeDie Nacht war ruhig und kalt; auf den niedereren Gipfeln liegt hier nun auch Schnee. Anstatt strahlendem Sonnenschein erwartet uns heute ein trüber Morgen und die Fotos vom Emerald Lake werden auch nicht besser als gestern Nachmittag. Wir packen zusammen und machen uns auf den letzten Trip nach Whitehorse, das wir bereits am Vormittag gegen 10.00 h erreichen. Was machen wir nun so früh hier? Wir biegen noch Richtung Schwatka Lake ab; der Stausee vor Whitehorse wo wir vor fast vier Wochen von der anderen Seite her zur Fishladder gewandert sind.

Yukon Suspension Bridge Wir fahren zur Suspension Bridge und laufen ein Stück Richtung Canyon City. Hier wurde zur Goldgräberzeit Ausrüstung auf einen Wagen verladen, der mit Zugpferd auf Schienen aus Holzstämmen verkehrte, um die Rapids zu umgehen, an denen nicht selten die Boote an den Felsen zerschellten. Da wir nicht wissen, wie weit es nach Canyon City ist und ob der Weg dorthin überhaupt lohnt, drehen wir irgendwann um und sind nach einer Stunde wieder am Auto.

 

Packen PackenAls nächstes fahren wir zum Supermarkt und besorgen für heute Abend noch Lachs und für morgen etwas Brotzeit. Wir haben die Wahl zwischen Boston Pizza und Pizza Hut; wir wählen Pizza Hut und essen vom Buffet richtig gut. Noch ein letztes Mal in die City in die Main Street, doch der uns empfohlene General Store hat auch keine T-Shirts mit dem Yukon Leitspruch – Larger than Life. So richtig können wir uns für nichts mehr begeistern und so geht es zum Caribou Campground, wo wir am ersten Abend übernachtet haben. Wir verwandeln den Camper in kurzer Zeit in ein Chaos; die Koffer wollen gepackt werden. Gefühlte Stunden haben wir auch das geschafft und so wie es scheint, liegen wir mit den Kilos im erlaubten Rahmen. Wir betreiben ausgiebig Körperpflege und brutzeln uns schließlich noch den leckeren Lachs. Da unsere Nachbarn trotz Stromanschluss ständig irgendein Stromteil am Laufen haben, dauert es noch mit der Nachtruhe.

 

Gelaufen:
Gefahren: ? km
Übernachtung: Caribou Campground, Whitehorse, 18 $

Donnerstag, 24.09.09

Wir stehen um 6.30 h auf, frühstücken ein letztes Mal in unserem Schneckenhaus. Dann heißt es „Wohnung  räumen“, noch einmal durchwischen und bis wir gedumpt haben, ist es bereits 8.00 h. Wir fahren zum Flughafen, der um 8.30 h öffnet und checken schon mal ein. So einen Flughafen kann man sich nur wünschen; hier geht es locker zu,man parkt direkt vorm Gebäude, kein Gedränge, es gibt nur ein Gäte und einen Warteraum; verirren ist hier nicht möglich. Etwas müssen wir noch warten, bis die Schalter öffnen und bekommen dann sogar wieder Plätze am Exit.

Wetterfahne WhitehorseWir tanken noch auf, nehmen noch einen Kaffee bei Starbucks mit und dann geht’s zur Autorückgabe. Die klappt auch prima und ohne Probleme; so dass wir viel zu früh wieder am Flughafen sind. Betsy kutschiert uns mit noch zwei weiteren Paaren hin. Wir haben noch über 2 Stunden Zeit und sehen uns im Wartebereich den Film über Yukon und Alaska an und nutzen das WiFi. Um 12.30 h geht es dann endlich zum boarden und in 1 Stunde 50 Minuten nach Fairbanks. Alaska RangeDa es teilweise stark bewölkt ist, sehen wir erst mal gar nichts; kurz vor Landung in Fairbanks ist der Mount Mc Kinley nochmal zu bewundern. In Fairbanks müssen wir 2 Stunden in den Transitbereich; gut dass wir uns ein paar Brote mitgenommen haben, denn außer einem Süßwaren- und Getränkeautomaten gibt es hier nichts. Wir bekommen ein paar Zeitungen und Zeitschriften und dann wollen die amerikanischen Behörden nochmal unseren Pass sehen und nehmen Fingerabdrücke. Können wir nicht verstehen, da wir nach wie vor das gültige Visum haben, hier ja nicht einreisen und den Wartebereich gar nicht verlassen können. Wir werden auch extra darauf hingewiesen, den Visaabschnitt unbedingt aus dem Pass zu nehmen, das würde ansonsten Schwierigkeiten verursachen.

Alaska RangeUm 16.30 h dürfen wir boarden und kurze Zeit später heben wir auch schon ab nach Frankfurt. Flugzeit 8 Stunden 50 Minuten. Es dauert ewig, bis wir was zu trinken bekommen, das Essen ist wieder sehr übersichtlichtlich und es gibt erneut Pasta. Der Flug verläuft ruhig, die Filme laufen bereits nicht mehr im Kino, so alt sind diese mittlerweile. Wir landen pünktlich um 10.30 h, werden mit dem Bus zum Ankunftsbereich kutschiert und kommen ganz gut voran. Die Koffer sind bald da, die Wartezeit verkürzt uns noch eine Unterhaltung mit einem Pärchen aus Fulda, die wir bereits in Haines gesehen haben. Wir begeben uns in die DB Lounge am Bahnhof und sitzen da noch ein wenig rum, bis wir den Zug um 12.50 h nach Augsburg besteigen. Als wir um kurz vor 16.00 h ankommen, sind wir mehr als 24 h auf den Beinen und ziemlich erledigt. Häuptling Silberlocke holt uns ab und bringt uns nach Hause.

THE END

Tipps

Lebensmittel einkaufen

  • Wer von Whitehorse aus startet, sollte sich dort noch mit den benötigten Dingen für die nächsten Tage eindecken. Der Vorrat sollte bis Fairbanks oder Anchorage reichen. Der Walmart war 2009 kein Supercenter, somit gab es dort nur bedingt die gewünschten Dinge. Der zweite große Supermarkt hat aber eine Riesenauswahl. Die Preise sind etwas teurer als im Südwesten der USA, wir hatten mit weit höheren Preise gerechnet.
  • Dawson City hat einen kleinen Laden; Preise und Auswahl mit Whitehorse keineswegs vergleichbar. Bier ist in Whitehorse irre teuer (6 x 340 ml = 10 CAD); das gibt es in Alaska etwas günstiger (6 x 340 ml ca. 8 USD).
  • Tok (AK) hat einen Supermarkt (Three Bears) mit guter Auswahl; Großeinkauf ist in Fairbanks oder Anchorage ist zu empfehlen.
  • Wasilla und Palmer, noch vor Anchorage gelegen, hat ebenfalls sämtliche Supermärkte zum einkaufen.
  • Auf der Kenai Halbinsel gibt es ebenfalls jede Menge Möglichkeiten einzukaufen: Soldotna (großer Fred Meyer), Safeway, Homer (Safeway), Kenai (Safeway) und in 2009 wurde ein Walmart Supercenter gebaut. In Seward gibt es ebenfalls einen Safeway.
  • Glenallen hat so gut wie keine Auswahl zu bieten, in Valdez gibt es einen Carrs.


Sonstiges

  • Fairbanks hat eine große Auswahl an Supermärkten; Safeway, Fred Meyer und Walmart sind vertreten und haben Angebote. Der Walmart ist super sortiert; auch wer hier den ein oder anderen Campingartikel benötigt, bekommt hier zu absolut akzeptablen Preisen etwas und es gibt sogar Artikel, die wir sonst noch nirgends gesehen haben.
  • Das Visitorcenter in Fairbanks ist absolut empfehlenswert. Man bekommt Auskunft über den Denali NP und kann dort auch kostenlos im Park anrufen und reservieren. Es gibt Free Internet Access an drei Computern; man kann sich auch mit dem eigenen Labtop einloggen und kostenlos surfen. Sehr zu empfehlen ist das Museum bei der Universität; wir hatten dafür leider keine Zeit mehr. Es hat bis 21.00 h geöffnet.
  • Wäschewaschen ist in Alaska ziemlich teuer; eine Maschine kostet im Schnitt zwischen 3 und 4 $ je nach Größe. Beim ersten Mal in der Laundry in Fairbanks haben wir für 3 kleine Maschinen und zwei Trockner à 30 Minuten 17,40 $ bezahlt. In Anchorage war es etwas günstiger; da gab es die Maschine für 3 $ und der Trockner kostete pro 5 Min. 25 ct.
  • Der Riley Creek Campground am Eingang des Denali Nationalparks ist absolut zu empfehlen. Wir wollten ursprünglich zum Teklanika, der schon weit im Park liegt. Hier ist man zwar direkt im Park und spart sich ein Stück des Weges mit dem NP Bus, man verpasst aber den ersten Abschnitt vom Visitorcenter bis zum Parkeingang am Savage River und somit die Chance Elche zu sehen, die nur in dieser Region des Parks leben.
  • Anchorage: Das Visitorcenter fanden wir nicht sonderlich berauschend; dafür soll das auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelegene Informationcenter sehr schön sein. Dies hat allerdings am Sonntag geschlossen. Im Visitorcenter unbedingt nach der Bore Tide erkundigen und sich einen Gezeitenplan geben lassen. Am Beluga Point – liegt am Highway nach Portage bzw. zur Kenai Peninsula – kann man, wenn man Glück hat, dieses Naturschauspiel erleben.
  • Das Cinema in der Vierten Straße, von dem im lonely Planet Reiseführer die Rede ist, gibt es nicht mehr bzw. es hat geschlossen. Die Innenstadt von Anchorage fanden wir auch nicht so umwerfend; ein Souvenirshop reiht sich an den anderen. Auf dem Walmart-Parkplatz darf man nicht über Nacht stehen bleiben. Bei Mc Donalds dagegen ist das möglich.


Truck Camper

  • Wir hatten von Fraserway einen TC10, ein wirklich tolles Fahrzeug mit einem Ford F-350 als durstiges Zugpferd. Der Verbrauch lag im Schnitt bei 21,7 l/100km Diesel, was nicht gerade wenig ist. Gefahren sind wir ca. 8600 km und hatten in unserem Paket bereits 7800 km gebucht, den Rest haben wir dann hinterher drauf gezahlt, bzw. mit den Auslagen und der Rückzahlung des 1. Tages verrechnet.
  • Alle Pickup die ich von Fraserway gesehen habe, haben ein Crew Cab oder sogar eine vollwertige Rückbank, so dass locker 5 Personen mitfahren könnten, wir haben die hintere Sitzbank als Ort für Einkäufe, Getränke und Fotoausrüstung usw. genutzt. Vorne wäre ein 3. Sitz in der Mitte gewesen, den wir abgeklappt haben um Platz für Getränke, Ladegeräte und Fotos zu haben.
  • Im extrem großen Alkoven liegt eine große Matraze und man kann dort sitzen, ohne sich den Kopf anzuhauen. Bettzeug und Handtücher werden von Fraserway gestellt, wir haben jedoch die Betten gleich wieder abgegeben, da wir Schlafsäcke dabei hatten. Zusätzliche Decken sind auch im Camper dabei.
  • Das Wohnmobil ist für 2 Personen wirklich sehr geräumig, der Kühl- und Gefrierschrank ist sehr groß, auch 3-Flammen Herd und Backofen ist super. Die Nasszelle ist dagegen sehr eng und man stösst ständig gegen eine Wand. Während der Fahrt zieht der Fahrtwind durch die Entlüftung rein und verbreitet den Geruch aus dem Klo im ganzen Wohnmobil, das ist wohl der einzige Nachteil, aber nach kurzem lüften ist alles wieder verflogen.
  • Auch ist Fraserway sehr kulant, was Ausgaben anbelangt, die während der Fahrt anfallen und wir durften bis auf die Mc Carthy Road, offiziell alle gefahrenen Strassen befahren.
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